11/01/2026
Einer geht noch; einen Wein habe ich noch ungeöffnet im Kühlschrank stehen. Das ändere ich jetzt mal und greifen zum Korkenzieher. Denn es geht um einen Winzer und eine Lage, die beide nicht ganz unbekannt sind, aber trotzdem ein bisschen mehr an Bekanntheit vertragen können. Genauer: Die Rede ist von der 23er Riesling Spätlese aus dem Pölicher Held von Michael Scholtes aus dem 620-Seelen-Ort Detzem unweit von Leiwen.
Michael Scholtes gehört zu den Mitgliedern der „Maxime Herkunft Mosel“. Die sorgfältige Gestaltung der Etiketten seiner Lagenweine zeigen an, was in diese Flaschen kommt: „Unverwechselbare Persönlichkeiten“, wie Scholtes auf seiner Website www.moselweingut-scholtes.com schreibt, mit ganz unterschiedlichem Geschmacksprofil. Auch in anderer Hinsicht lösen die Rieslinge ein, was das Design verspricht: Bodenständigkeit und ein Bewusstsein für eine zeitgemäße Tradition trifft hier auf Eleganz.
Der Pölicher Held („Held“ meint hier nichts Heroisches, sondern die Geröllhalde unter der Erdkrume) gehört zu den Lagen, deren Image der Winzer mit seinen Rieslingen aufpolieren. Und das nicht nur im Held: Die Thörnicher Ritsch gehört außerdem zu Scholtes’ Portefeuille wie die Detzemer Maximiner Klosterlay, die Lage „Im Königsberg“ an der Flanke der Klosterlay oder auch der Dhroner Hofberg oberhalb von Neumagen.
Die Spätlese aus Pölich jedenfalls zeugt Züge eines Kabinett – obwohl: Den holt Michael Scholtes ja aus dem Königsberg. Aber die Säure und die mit ihr verwobene zitrische, an saftige Limette erinnernde Fruchtigkeit zielt so unmittelbar wie ein Kabi auf das Trinkvergnügen des Genießers und animiert zum nächsten Schluck.
Das feine Wechselspiel ist aber nicht das Einzige, was dieser feine Tropfen – auf die grundlegenden Instinkte wie den Durst hat er es schon ganz deutlich abgesehen. Aber er kommuniziert schon noch auf anderen Wellen mit seinen Konsumenten. Die würzig-duftige Nase und die weiche, saftige Mirabelle, die das Gegengewicht zum Zitrus bildet, zeigen zusammen mit den anderen Akzenten die Vielschichtigkeit dieses Mosel-Rieslings mit seiner typischen Leichichtigkeit.
Seine besten Jahre dürfte der Held freilich noch vor sich haben. Michael Scholtes empfiehlt ihn im Übrigen zu gereiftem Käse, zur Gänseleberpastete und als Dessertwein.
Preis ab Weingut (Webshop): 12,50 Euro.
Im Internet: https://shop-moselweingut-scholtes.com/products/policher-held-riesling-spatlese