Mostly Mosel

Mostly Mosel Weine, Sekte und artverwandte Getränke werden vorgestellt. Dazu gibt es allerlei Hintergrundberichte. Wohlgemerkt: Die Seite heißt "Mostly Mosel".

Was bedeutet: Nicht nur Mosel, aber vor allem. Und nicht nur plus Saar und plus Ruwer.

Einer geht noch; einen Wein habe ich noch ungeöffnet im Kühlschrank stehen. Das ändere ich jetzt mal und greifen zum Kor...
11/01/2026

Einer geht noch; einen Wein habe ich noch ungeöffnet im Kühlschrank stehen. Das ändere ich jetzt mal und greifen zum Korkenzieher. Denn es geht um einen Winzer und eine Lage, die beide nicht ganz unbekannt sind, aber trotzdem ein bisschen mehr an Bekanntheit vertragen können. Genauer: Die Rede ist von der 23er Riesling Spätlese aus dem Pölicher Held von Michael Scholtes aus dem 620-Seelen-Ort Detzem unweit von Leiwen.
Michael Scholtes gehört zu den Mitgliedern der „Maxime Herkunft Mosel“. Die sorgfältige Gestaltung der Etiketten seiner Lagenweine zeigen an, was in diese Flaschen kommt: „Unverwechselbare Persönlichkeiten“, wie Scholtes auf seiner Website www.moselweingut-scholtes.com schreibt, mit ganz unterschiedlichem Geschmacksprofil. Auch in anderer Hinsicht lösen die Rieslinge ein, was das Design verspricht: Bodenständigkeit und ein Bewusstsein für eine zeitgemäße Tradition trifft hier auf Eleganz.
Der Pölicher Held („Held“ meint hier nichts Heroisches, sondern die Geröllhalde unter der Erdkrume) gehört zu den Lagen, deren Image der Winzer mit seinen Rieslingen aufpolieren. Und das nicht nur im Held: Die Thörnicher Ritsch gehört außerdem zu Scholtes’ Portefeuille wie die Detzemer Maximiner Klosterlay, die Lage „Im Königsberg“ an der Flanke der Klosterlay oder auch der Dhroner Hofberg oberhalb von Neumagen.
Die Spätlese aus Pölich jedenfalls zeugt Züge eines Kabinett – obwohl: Den holt Michael Scholtes ja aus dem Königsberg. Aber die Säure und die mit ihr verwobene zitrische, an saftige Limette erinnernde Fruchtigkeit zielt so unmittelbar wie ein Kabi auf das Trinkvergnügen des Genießers und animiert zum nächsten Schluck.
Das feine Wechselspiel ist aber nicht das Einzige, was dieser feine Tropfen – auf die grundlegenden Instinkte wie den Durst hat er es schon ganz deutlich abgesehen. Aber er kommuniziert schon noch auf anderen Wellen mit seinen Konsumenten. Die würzig-duftige Nase und die weiche, saftige Mirabelle, die das Gegengewicht zum Zitrus bildet, zeigen zusammen mit den anderen Akzenten die Vielschichtigkeit dieses Mosel-Rieslings mit seiner typischen Leichichtigkeit.
Seine besten Jahre dürfte der Held freilich noch vor sich haben. Michael Scholtes empfiehlt ihn im Übrigen zu gereiftem Käse, zur Gänseleberpastete und als Dessertwein.

Preis ab Weingut (Webshop): 12,50 Euro.
Im Internet: https://shop-moselweingut-scholtes.com/products/policher-held-riesling-spatlese

Fruchtigen Mosel-Riesling zu machen und das dann noch so hinzukriegen, dass die Sinne nicht von der immanenten Süße zuge...
10/01/2026

Fruchtigen Mosel-Riesling zu machen und das dann noch so hinzukriegen, dass die Sinne nicht von der immanenten Süße zugepappt werden – das ist schon eine nicht geringe Lunst. Einer der sie virtuos beherrscht und damit in den Führern und Zeitschriften auf den vordersten Rängen landet, ist der Moselwinzer Christoph Eifel. Von ihm stelle ich seine 22er Riesling Spätlese von alten Reben aus der weltberühmten, dem Ort gegenüber liegenden Trittenheimer Apotheke vor.
Dieser Wein besticht noch nicht einmal durch die Süße an sich, sondern durch ihre fein ziselierte Art. Die dezente Säure verklammerte die verschiedenen Fruchtaromen, darunter tropisches Obst wie Papaya neben rotem Apfel, Limette, Pfirsich, Aprikose und Honig. Der sorgt zusammen mit dem, was der steile Schieferboden der Apotheke den Trauben mitgegeben hat, für einen herben Akzent, der die Süße (der Restzucker liegt bei 71,8 Gramm/Liter) etwas aufraut.
Dass und wie sich Christoph Eifel zu fruchtigen Rieslingen bekennt – dieses Spätlese dokumentiert ziemlich eindrucksvoll. Elegant und durch die fruchtigen Akzente quicklebendig: Der Winzer liefert hier ein Stück Mosel vom Feinsten.

Preis ab Weingut: auf Anfrage.
Im Internet: https://weinguteifel.de/

Sowohl die trockenen Weine als auch die Brut-Sekte aus dem Klüsserather Betrieb Kirsten-Liebieg fallen durch eine konseq...
10/01/2026

Sowohl die trockenen Weine als auch die Brut-Sekte aus dem Klüsserather Betrieb Kirsten-Liebieg fallen durch eine konsequente Eigenwilligkeit auf. Da schmeckt nichts gefällig. Einen gewissen Hang zum Entertainment verraten die Produkte des Hauses trotzdem: Immer wieder zeigen die Erzeugnisse etwas Überraschendes – zum Beispiel der Pinot Brut ohne Jahrgang, eine Cuvée aus Spät-, Weiß- und Grauburgunder. Ein Best-Of-Pinot sozusagen, genauer: eines aus dem schäumenden Bereich.
Dieser Winzersekt mutet schon beim ersten Schluck im besten Sinne auffällig an. Dank des an und für sich eher zurückhaltenden Mousseux, das hier beim Schmecken eine katalytische Funktion übernimmt, spült dieser Brut rasch ein fruchtige Beeren- und Kirscharomen fern jeder Süße selbst an die entferntesten Punkte im Mundraum. Dank der feine Säure haken sich die Geschmacksnoten in Windeseile fest und richten sich zum Bleibe ein – wobei neben dem roten Obst auch ein kleiner Hauch von Flieder im Spiel ist.
Dabei ist nichts plakativ, und nichts belegt die Sinne anders als gewünscht – ein Moment, der in diesem Stoff für die ersehnte Leichtigkeit sorgt. Dass der prickelnde Burgunder dadurch eine tänzerische Leichtigkeit zeigt, weist ihn zudem als echten Moselaner aus.

Preis ab Weingut: 16,00 Euro.
Im Internet: https://kirsten-liebieg-shop.de/index.php?site=wein&weinnr=212018

Eigentlich bespreche ich reife Weine nicht gerne, weil ich damit den Lesern Lust auf etwas mache, dass sie oft nicht meh...
05/01/2026

Eigentlich bespreche ich reife Weine nicht gerne, weil ich damit den Lesern Lust auf etwas mache, dass sie oft nicht mehr kaufen können. Gut, dass es dieses Problem hier nicht gibt: Die 2015er Riesling Spätlese aus dem Piesporter Goldtröpfchen bzw. dem Keller der der Bischöflichen Weingüter Trier ist nach wie vor im Handel und im Webshop der Erzeuger für 30,50 Euro erhältlich.
Für diesen nicht ganz unerheblichen Preis bieten die Bischöflichen, die im Verlauf der vergangenen drei vier Jahre unter der heutigen Direktorin Julia Lübcke immer mehr unter die Top-Produzenten nicht nur der Mosel-Region vorgerückt sind, großes Gaumentheater an. Das bedeutet nicht, dass die Spätlese aus der weltweit bekannten Lage von ihrer Aromatik her laut, breit oder sonst wie unangenehm wirken würde. Sie zeigt schon beim ersten Schluck eine Eigenschaft, was einen wirklich großen Riesling ausmacht: Trotz der elf vergangenen Jahre steht die Säure (9,5 Gramm auf den Liter bei 54,8 g/l Restzucker und 8,5 Volumenprozent Alkohol) bei aller Weichheit stramm wie eine Eins und zeigt sich im harmonischen Verein mit den ebenso lebendigen fruchtigen Geschmacksnoten. So langsam bringt sich das wahrhaft goldigen Tröpfchen in Hochform – wobei: Weinjournalistin und -kennerin Romana Echensperger noch weitere 15 Jahre, bis der Riesling sich auf seinen Zenit zubewegt. Das macht jeglichen Kauf zu einem Kauf auf weiteren Zuwachs hin.
Echensperger ist es auch, die diesem Tropfen attestiert: „In der Nase zeigt die Spätlese komplexe Aromen von Ananas, Steinobst aber auch reife Anklänge von Earl Grey und kandiertem Ingwer.“ Diese Akzente werden noch ergänzt und ummantelt von rotem Apfel, saftigem Steinobst und einer feinen Spur Salz. Vor allem aber ist der Wein ein leises Plädoyer dafür, sich auf den Charme gereifter Weine mit allen ihren Eigenheiten einzulassen. „No risk, no fun“, sagt das Sprichwort. Erst das Unerwartete macht das Abenteuer.

Im Internet: https://www.bischoeflicheweingueter.de/Piesporter-Goldtroepfchen-Riesling-Spaetlese-2015/50462-2015

Silvester und Neujahr verlangen nicht auf dem Bildschirm nach Glitzer und Glamaur – im Glas verhält es sich nicht viel a...
31/12/2025

Silvester und Neujahr verlangen nicht auf dem Bildschirm nach Glitzer und Glamaur – im Glas verhält es sich nicht viel anders. Einer, der dieses Bedürfnis seit Jahren virtuos bedient, ist der Mosel- und Saarwinzer Nik Weis aus Leiwen. Zusammen mit seinem Kellermeister Kai Hausen bringt er Weine und Sekte auf die Flasche, die es in puncto Eleganz selten an etwas fehlen lassen. Zur Jahreswende – das ist auch schon lange in die Populärkultur eingesunken – gehört für viele Menschen ein Schaumwein. Natürlich keine Massenware aus der Großkellerei, sondern ein Prickelstoff, der ähnlich individuell wirkt wie die, die ihn zur Abfüllreife begleitet haben – in diesem Falle ein 2020er Riesling Brut aus einer der legendären Lagen an der Saar, dem Ockfener Bockstein.
Das ist ein animierender Stoff, der schon durch seine Nase das Interesse der Genießer weckt. Zum einen ist da ein der Rebsorte Riesling gemäßer Duft – aber nicht nur. Ähnlich wie bei anderen Saar-Lagen wie dem Wiltinger Schlangengraben schleicht sich außerdem der Duft frischer Kräuter ein. Und ganz nebenbei ruft dieser Winzersekt der noblen Art seinem Konsumenten entgegen: Mainstream bin ich nicht!
Selbstredend zeigt sich der vom Bockstein am Gaumen nicht minder als Persönlichkeit, die im Gedächtnis haften bleibt. An den Geschmack einer Mehrheit passt sich dieser Stoff nur bedingt an. Die Säure – schließlich muss Saar Saar bleiben – zeigt sich ebenso filigran wie deutlich. Gepaart mit ihr sorgen Fruchtaromen wie Mandarine dafür, dass sich das Trinkerlebnis angenehm gestaltet. Die zwischen 40 und 60 Jajre alten Rebstöcke in Einzelpfahlerziehung im Bockstein haben dem Sekt ein leichte Rauchigkeit und schiefrige Salzigkeit mitgegeben. Das 22 Monate lange Hefelager und die solide Verarbeitung darum herum drücken sich in Geschmacksnoten wie Brioche und Toast aus. Die Perlage entfaltet eine sehr angenehme Wirkung: Fein und cemig kuschelt sich eher an die Sinne an als dass sie sie zwickt.

Preis ab Weingut (Webshop): 29 Euro.
Im Internet: https://shop.nikweis.com/2020-bockstein-riesling-brut

Nach dem guten Essen an den Weihnachtsfeiertagen nebst Weinbegleitung tut es gut, wenn ein Riesling wie der 2023er Klost...
28/12/2025

Nach dem guten Essen an den Weihnachtsfeiertagen nebst Weinbegleitung tut es gut, wenn ein Riesling wie der 2023er Klostergarten Riesling Kabinett aus dem Weingut Klosterhof in Brauneberg-Filzen die Sinne mal wieder so richtig wach zwickt. Sowieso bietet Winzer-Familie Thomas mit ihrem Betrieb eine Reihe spannender Tropfen an, die einer wie der andere von grundsolidem Handwerk auf der Schwelle zur Meisterschaft zeugen.
Daran mag es unter Umständen liegen, dass dieser fruchtsüße Klostergarten schon nicht mehr im Webshop des Hauses zu finden ist. Dass er auf so viel Zuspruch stößt, nimmt kaum Wunder, denn auf der Zunge leuchten die Aromen mit einander um die Wette und werben im Verein mit der für einen Kabinett-Riesling relativ dezenten Säure um die Gunst der Genießer. Wie der Restzucker wirkt die Säure gut eingearbeitet. Dieses Duo öffnet die Sinne – die fruchtigen Geschmacksnoten übernehmen jedoch die Funktion der Protagonisten.
Das Löschen des Durstes, die vorrangige Aufgabe eines jeden Kabis, erledigt der aus dem Brauneberger Klostergarten (höchstens um ein paar Ecken verwandt mit dem Leiwener) mit einem Mix aus Eleganz und Saftigkeit. Der Biss der Limette wird dabei abgepuffert von etwas, das wie der Zucker in kandierten Früchten wirkt. Außerdem sind roter Apfel und saftiges Steinobst mit im Spiel und machen einen Wein, der vor Aromen nur so kracht und dabei kunstreich gewirkt erscheint.

Preis ab Weingut: auf Anfrage.
Im Internet: www.weingut-klosterhof.de

Alle Zeichen stehen auf Anfang: Rund neueneinhalb Jahre nach der Lese steht dieser Riesling vor dem Durchbruch – vor dem...
26/12/2025

Alle Zeichen stehen auf Anfang: Rund neueneinhalb Jahre nach der Lese steht dieser Riesling vor dem Durchbruch – vor dem Durchbruch. Müde wirkt jedenfalls an der 2016er Riesling Spätlese aus der Lage „Niederberg Helden“ jedenfalls nichts. Ganz im Gegenteil: Der Stoff aus dem Keller von Thomas Haag und seinem Sohn Niklas im Weingut Schloss Lieser dreht dieser Stoff so richtig auf. Alles andere wäre ein Wunder der unerwünschten Art. Das Team aus dm bekannten bis berühmten Weingut weiß ja nur zu gut, wie sie Riesling in flüssiges Gold verwandeln können.
An diesem 16er gibt es mehr denn je viel zu rühmen. Zum Beispiel, dass an ihm im Zeichen der nahenden Reife nichts fett oder breit wirkt. Die Haags wissen schließlich, wie’s geht. Ein bisschen Understatement ist dabei im Spiel. Schließlich heißt es die Spätlese. Will sagen: Ohne weiteres verrät eine Dame ihr Alter nicht. Von Reifetönen gibt’s hier keine Spur. Statt dessen kündigt sich eine feine Süße an, die am Gaumen ihre nahtlose Fortsetzung erfährt. Es ist schon ein wahres Glück, wenn jemand beim Winzer noch ein paar Flaschen kaufen kann.
Die Frucht, die sich an Geschmacksnerven breitmacht, verrät die selbe Noblesse wie das Haus seiner Herkunft. Plakativ und besitzergreifend wirkt die Frucht nämlich nicht, eher wie hingetupft wie die Farben bei einem Aquarell. Mager mutet hier aber ebenso wenig etwas an wie es breit wirkt – eher wie ein Stück Obst, dass wer nach langem Dörren oder/und Kandieren auf der Zunge schmelzen lässt. Freilich hafte nichts Dünnes, Mageres oder gar Ausgezehrtes den Aromen an. Ob nun Limette, Ananas oder das feine Salz des Schiefergesteins, auf dem dieser Tropfen gewachsen ist, die Sinne verwöhnen: Es ist das Helle, Strahlende, das im Zusammenspiel mit der überaus filigranen Säure diesen Helden ausmacht.
Darum macht die Spätlese aus dem Lieserer Hause Haag bleibenden Eindruck: ein großer Wein, der seine Reize und Qualitäten nicht herausposaunt.

Preis ab Weingut: auf Anfrage.
Im Internet: www.weingut-schloss-lieser.de

Das Fest der Feste naht mit Riesenschritten – da darf es mit der bewusstseinserweiternden Substanz im Glas langsam etwas...
21/12/2025

Das Fest der Feste naht mit Riesenschritten – da darf es mit der bewusstseinserweiternden Substanz im Glas langsam etwas luxuriöser werden. Dabei hilft der „1900“, ein Brut-Sekt vom Riesling aus dem Weingut Van Volxem von Roman Niewodniczanski. Der (der Sekt!) hat es faustdick hinter den Ohren beziehungsweise auf der Hefe. Da nämlich hat der Prickelstoff bei seiner zweiten Gärung fünf Jahre in seiner bauchigen Flasche herumgelungert. Darum darf es den geneigten Konsumenten nicht wundern, dass dieser Sekt alles andere als ein Leichtgewicht.
Das heißt nun wirklich nicht, dass der „1900“ breit schmecken würde. Aber wie ein Fluss das Sedimentgestein vor sich hin schiebt, so bietet der Schaumwein mehr als den gekelterten Saft der Trauben und ein gehöriges, dabei nicht aufdringliches Quantum aus Kohlensäure-Bläschen. Zwar werden Genießer nach ein paar Gläsern trefflich abheben können. Aber selbst dabei erdet sie der Geschmack von Hefe und Brioche.
Seine Visitenkarte beim Erstkontakt über die Nase gibt dieser Winzersekt der noblen Art beim Erstkontakt über die Nase mit einem ganzen Korb voll frischer roter Äpfel ab. Dann darf es auch nicht verwundern, dass dem Herrn Niewodniczanski seiner vom Anbeginn an den Gaumen mit knackigen Aromen freispült und sich mit deren Hilfe dort verankert, um für lange Zeit zu bleiben. Seine Frische macht ihn zur wohltat fern jeder Erdenschwere.
Der Herr des Hauses versteht seinen Sekt – darum sein Name – als Rückgriff auf seine fein perlenden Vorfahren in einer früheren Blütezeit der eleganten Saarweine in der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Wörtlich heißt es auf der Website des Weinguts dazu: „Die in den skelettreichen Schieferböden stehenden, teilweise wurzelechten Reben stammen zum Teil noch aus der Zeit um 1900, was neben Stilistik und Ausbaustil den Namen "1900 brut" erklärt.“

Preis ab Weingut (Webshop): 26,50 Euro.
Im Internet: www.vanvolxem.com

Sein „Nachfolgemodell“ heißt anders, aber das macht ja nichts: Denn das Wesentliche an dem 2021er feinherben Riesling „T...
18/12/2025

Sein „Nachfolgemodell“ heißt anders, aber das macht ja nichts: Denn das Wesentliche an dem 2021er feinherben Riesling „Tradition“ aus dem VDP-Weingut Fritz Haag in Brauneberg (Mosel) ist, dass er es vier Jahre nach der Lese des Traubenmaterials an Knackigkeit und Saft in nichts fehlen lässt. Getestet habe ich diesen Wein, den Weinguts-Mitarbeiter Markus Schulte „eine Stufe über unseren Gutsweinen“ einordnet, übrigens zu zwei Currywürsten mit fruchtig-scharfer Soße vom Piesporter Dorfmetzger Georg Bösen (schlachtet selbst). Denkbar ist dieser Riesling aber auch zu Thai-Currys.
Wie viele Weine bedeutender Moselwinzer besticht auch der „Tradition“ weniger durch üppiges Rankenwerk als durch seine Klarheit. Er bringt eines sehr deutliche Mineralität ins Glas, weshalb Markus Schulte urteilt: „Einige Dekaden zurück wäre dieser Wein sicherlich geschmacklich als trocken bezeichnet worden.“ Lebendig und spannend wird der Stoff aus gutem Hause, weil er in der Frucht einen Gegenpart erhält. Das Salzige und die weiche Säure umspielen Aromen wie „reifer Clementine, frischer Orangenzeste und weißen Früchte“, wie es auf der Haag-Website heißt.
„Tradition“ bedeutet hier im Übrigen einen Rückgriff auf die Weinbereitung großer Moselriesling in der Zeit um 1900. Kalte Keller und Naturhefen haben die Weine damals mit einem Restzuckerwert zwischen 10 und 20 Gramm/Liter „hängen“ lassen – ein Vorbild, das auch anno 2021 seine Faszination nicht verloren hatte.
Nachfolger des „Tradition“ ist übrigens der „Brauneberg J Riesling Trocken 1G“ mit etwas geringerer Restsüße. Dessen 2024er Ausgabe schlägt im Webshop mit 18 Euro zu Buche. Dem 2021er „Tradition“ gibt Markus Schulte im Übrigen noch weitere fünf Jahre bei bester Frische und Gesundheit.

Das Weingut im Internet: www.weingut-fritz-haag.de

Es gibt natürlich die Namen, die jeder nennt. Thomas Haag und sein Weingut Schloss Lieser etwa oder Roman Niewodniczansk...
14/12/2025

Es gibt natürlich die Namen, die jeder nennt. Thomas Haag und sein Weingut Schloss Lieser etwa oder Roman Niewodniczanski mit seinem Weingut Van Volxem in Wiltingen an der Saar. Von beiden werde ich naher Zeit Weine im Wortsinn beschreiben, denn ich habe – was für ein Glücksfall – mit Hilfe eines Freundes einen Vorratsraum aufräumen und ordnen können, in dem bei meinem Umzug nach Piesport an der Mosel Ende September 2022 den in Kartons verpackten Wein ziemlich wahllos abgeworfen hatten. Bevor aber die Prominenz an die Reihe und ihre reiferer Riesling an die Reihe kommt, will ich hier einige im Vergleich weniger prominentere Vertreter ihres Fachs präsentieeren.
Weniger prominent – das hat nicht nur bei Sandra Berweiler aus Leiwen nicht im Mindesten etwas mit minderer Güte zu tun. Sich einen Namen zu machen: Das hat halt auch mit Glück zu tun. Und unbekannt ist Sandra Berweiler ganz und gar nicht, von der ich hier ihre 2023er fruchtsüße Riesling Spätlese aus der heimischen Lage Klostergarten vorstelle. Dieser Wein widerspricht allen „fetten“ oder „breiten“ Klischees von der Gattung Spätlese. Fast könnte der Verkoster diesen Tropfen für einen Kabinett halten, dem die knackige Säure abhanden gekommen ist. Doch das wäre im Grunde ja auch wieder ein Klischee.
Federleicht und tänzerisch elegant wie ein Kabi ist Berweilers Spätlese freilich dann doch. Auf dem Sockel einer feinen Schiefer-Mineralität und einer gut eingearbeiteten Säure (7,8 Gramm/Liter bei 48,7 g/l Restzucker und 8,95 Volumenprozent Alkohol) zeigen sich eine saftige Frucht mit Apfel, etwas Zitrus und Mirabelle Wuchtig oder gar barock wirkt hier nichts. Die dezente Salzigkeit zeigt sich hier ebenso leise wie prägnant. Umso besser dokumentiert sie den Ursprung dieses Rieslings.

Preis ab Weingut (Webshop): 9,80 Euro.
Im Internet: www.weingut-berweiler.de

An Prominenz besteht an Mosel, Ruwer und Saar kein Mangel – Namen müssen da eigentlich nicht mehr genannt. Aber es gibt ...
09/12/2025

An Prominenz besteht an Mosel, Ruwer und Saar kein Mangel – Namen müssen da eigentlich nicht mehr genannt. Aber es gibt auch alle die Weingüter, die seit Generationen weitervererbt werden, deren Qualitätsstreben sie davor behütet, im eigenen Saft zu ersticken, und die einen treuen Kreis vn Freunden und Kunden um sich geschart haben. Dazu gehört der Betrieb von Florian Blesius und seinen Eltern im beschaulichen Graach. Und weil Tradition noch lange nicht von der Verpflichtung zur Innovation befreit, hat sich der Junior der „Maxime Herkunft Mosel“ angeschlossen. Aus diesem Haus in der Ortsmitte stelle ich den 2024er Riesling feinherb aus der Lage „Graacher Domprobst“ (nur echt mit b) vor, die es an Potenzial mit der nahegelegenen Wehlener Sonnenuhr aufnehmen kann.
Florian Blesius, ein junger Mann Anfang 30, präsentiert mit seinem Domprobst einen ziemlich ungenierten Riesling. Ungeniert verhält sich dieser Wein deshalb, weil er schon beim ersten Beschnuppern seine deftig stinkende Spontinase dem Genießer in den Riechkolben streckt. Macht aber nichts, genau wie beim Käse: Das Leben riecht gelegentlich, im Glas genau wie unter der Rotschmierenrinde. Was im Übrigen nicht bedeutet, dass das Trinken Überwindung kostet. Der Feinherbe von Herrn Blesius bietet seinem Konsumenten eine saftige, animierende Frucht. Dabei fungiert der feine Faden aus salzigem Schiefergeschmack als eine Art von Zentralachse, die zusammen mit der Säure (7,5 Gramm/Liter bei 20,7 g/l Restzucker und 10,5 Volumenprozent Alkohol) das Ganze zusammenhält.
Die Säure übernimmt noch eine andere wichtige Rolle: Sie sorgt dafür, dass dem Weintrinker ziemlich bald nach dem ersten Schluck das sprichwörtliche Wasser im Munde zusammenläuft. Für den Trinkfluss ist also bestens gesorgt. Wobei auch die Frucht eine ähnlich animierende Wirkung entfaltet – mit saftigem Apfel, Limette und herber Grapefruit, etwas schwarzem Tee und Steinobst (Mirabelle). „Langeweile ist keine Option“, heißt es Im Text auf der Website. Stimmt auffallend genau.

Preis ab Weingut (Webshop): 10,50 Euro.
Der Winzer im Internet: www.weingut-blesius.com

Bisweilen bekommt es auch einem Schaumwein sehr gut, wenn ihm sein Konsument ein paar Minuten Freizeit an der frischen L...
05/12/2025

Bisweilen bekommt es auch einem Schaumwein sehr gut, wenn ihm sein Konsument ein paar Minuten Freizeit an der frischen Luft gönnt. Dem 2021er Crémant Blanc de Noir aus dem Weingut Quint in dem kleinen Moselort Wintrich hat es jedenfalls nicht geschadet – ganz im Gegenteil.
Schon von sich aus bringt dieser Brut-Sekt aus hell gekelterten Spätburgunder-Trauben ordentlich Leben in die Bude (sprich: ins Glas). Die Nase wirkt noch telativ dezent, doch auf der Zunge steppt sofort der Bär. Eine spürbare, aber nicht störende Säure (6,6 Gramm/Liter bei 10,0 g/l Restzucker und 12,0 Volumenprozent Alkohol) verankert schnell die Fruchtaromen am Gaumen. Als da wären: Apfel, Grapefruit, ein Spritzer Limette und Zitruszeste. Alles andere als eine süße Limo, bringt dafür aber die Tendenz zu einem langen Abgang mit. Hinzu kommt ein eher weiches Mousseux, das mit Abertausenden von Kohlensäure-Bläschen den Mundraum eher sachte massiert als dass es ihn zwickt. Das Mundgefühl fällt cremig aus – so wie sich das für einen Burgunder auch gehört.

Der Crémant steht als „derzeit nicht verfügbar“ im Webshop, ist aber in einer Restmenge von zirka 200 Flaschen zu haben, wie mir Winzer Constantin Quint versicher hat. Preis: 14,50 Euro.
Der Winzer im Internet: www.weingut-quint.de

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