15/06/2026
So schöne Artikel über meine Kurse freuen mich immer wieder, auch wenn ich nicht so gern als "Pferdeflüsterin" bezeichnet werde. Doch ich mag die einfache Klarheit der Zeitungsartikel gern.
Die Reportage: "Pferdeflüsterin" gibt Tipps zum rechten Umgangston.
Ungewöhnliches Trainingssystem für Pferde und Reiter bei Wochenendseminar in Halle des Reitvereins vorgestellt :
Mit lautem Hundegebell wird der Besucher am Sonntag in der Reithalle des Reitvereins empfangen. Mehrere Leute stehen im Halbkreis um eine Frau, die mit klarer Stimme Anweisungen erteilt. Weit und breit sind keine Pferde zu sehen. "Ist das das Wochenendseminar, in dem die Reiter mit der "Tellington- Methode" und dem "Reiten aus der Körpermitte' vertraut gemacht werden?" Ist es!
Anke Recktenwald heißt die Lehrerin und "Pferdeflüsterin". Sie zeigt gerade den Menschen, wie das Pferd seine Umgebung sieht. Macht ihnen deutlich, wie der Mensch auf klare und unklare Befehle der Gerte reagiert, damit sie die Reaktion der Pferde nachempfinden können. Sieben Reiterinnen und ein Reiter stehen in Zweiergruppen beisammen. Jeweils einer hat die Hände so im Gesicht, dass sein Blick eingeengt wird. "So sieht das Pferd seine Umgebung. Merkt ihr, dass es die Gerte erst mindestens einen Meter weiter weg erkennt? Versucht dem Pferd beizubringen, dass die Gerte kein Strafmittel, sondern verlängerter Arm ist." Ziel ist es, dass das Pferd, mit leichter Führung, den Anweisungen mit der Gerte folgt.
"Versucht, euch so klar wie möglich auszudrücken", sagt Recktenwald. "Ein Pferd tut immer das, was der Reiter möchte: Wenn es kann, wenn es keine Angst hat und wenn es versteht, was der Mensch will", ist ihr Leitsatz. "Klarheit heißt nicht Brutalität", betont sie. Als die Menschen begriffen haben, wie die Gerte, der "weiße Zauberstab", zu führen ist, kommen die Pferde dazu. "Charmeur" heißt das Pferd von Sabine. Sie hält die Gerte zwar wie vorgeschrieben nicht direkt vor sein Gesicht, ist aber zu nahe. "Charmeur" versteht das falsch und beißt probeweise mal zu.
Paula reitet seit 25 Jahren. "Das Seminar interessiert mich, weil es eine weiche Art zeigt, mit den Pferden umzugehen. Man lernt, sich in die Pferde rein zu denken, kann verbessern, was man falsch gemacht hat." Einige Male muss sie ihr Pferd "Oktavio" durch das "Labyrinth" führen, bis es einwandfrei klappt - nicht weil es das Tier nicht kann, sondern weil Steffi noch klarer führen lernt. Die Pferde werden auch über Holzstangen geführt. Sie laufen über eine raschelnde Plastikplane, lernen eine neue Strategie mit Dinge umzugehen, die sie besorgt machen.
Immer wieder hält Anke Recktenwald die Pferdeführer an, zu loben, zu loben und nochmals zu loben. „Ich hätte nie gedacht, dass "Charmeur' über die Plane geht", wundert sich Sabine. "Er ist normalerweise unruhig, leicht schreckhaft und springt schon mal weg, beim Reiten", erklärt sie. "Durch den Kurs wurde das Vertrauen zwischen uns gestärkt. Gestern war ich wesentlich angespannter als heute. Als ich gesehen habe, dass die Methode funktioniert, hat sich bei mir die Spannung gelöst." Die Methode, das ist die Tellington Methode. Damit "befähigt" eine Serie von Bodenübungen ein Pferd, alte Muster aufzuheben und ohne Furcht oder Gewalt zu lernen", steht es in der Beschreibung.
Es ist ein umfangreiches Trainingssystem für Pferde und Reiter, zu dem der "Tellington-Touch" (Berührung) als wesentlicher Bestandteil gehört. In Europa wurde es erstmals vor 50 Jahre auf der Pferdemesse "Equitana" vorgestellt. Entwickelt hat die Methode die Kanadierin Linda Tellington-Jones. Seit 1998 ist Anke Recktenwald aus Marpingen Tellington Lehrerin und seit 1999 "Centered Riding" Lehrerin. "Reiten aus der Körpermitte" sei ein neuer Weg, Reiten zu lernen, erklärt sie. "Es verbessert das Körperbewusstsein und daraus entwickelt sich die Balance des Reiters". "Wir haben gestern unter anderem gelernt, uns in die Bewegung des Pferdes zu versetzen", sagt Karin, die mit ihrer zwölfjährigen Tochter und Pferd "Bodo" am Kurs teilnimmt. Auch "Tellington-Touch" war eine Unterrichtseinheit am Samstag. "Der Tellington-Touch findet Stellen im Pferdekörper, die beispielsweise Spannung, Furcht vor Kontakt oder Unbehagen beim Pferd anzeigen. Spezifische Berührungen und Bewegungen verbessern das Selbstverständnis und Selbstvertrauen, beschreibt es Anke Recktenwald.