07/01/2025
Am 1. Januar hat mich Instagram ziemlich nachdenklich gemacht.
Weil Social-Media-Marketing ein Teil meines Jobs ist, schaue ich regelmäßig bei den Accounts von Influencer:innen vorbei. Also Menschen fernab der Weinbranche, die so zwischen 100.000 und 700.000 Follower:innen haben. Aus den unterschiedlichsten Bereichen. Lifestyle, Feminismus, Kulinarik, Reisen, Garten - solche Themen sind mit dabei. Die Influencer:innen sind meist so zwischen 23 und 31 Jahre alt.
Jedenfalls habe ich mir am 1. Januar viele Posts und Storys auf Instagram angeschaut - und war erstaunt, dass gut 75% dieser Influencer:innen ohne Alkohol aufs neue Jahr angestoßen haben. Gut die Hälfte gab sogar an, dass sie seit mindestens einem Jahr komplett auf Alkohol verzichten. Erstaunlich war: Gerade einmal eine von insgesamt 80 beobachteten Influencer:innen hat mit einem alkoholfreien Schaumwein aus Weinbasis angestoßen. Bei den anderen waren es dann eher Kräuter- oder Obst-Schaumweine.
Das war für mich ebenso erschreckend wie logisch. Klar, die Weinbranche hält alkoholfreie Weine derzeit hoch. Auf die Zukunft und so. Daraufhin habe ich mal ein paar Statistiken gewälzt. Die Statistiken vom Deutschen Weininstitut für 2023 und 2024 besagen, dass 4% weniger Wein konsumiert wird. Der Marktanteil alkoholfreier Weine soll aber bei 1% liegen. Da gibt's also (noch?) eine Lücke. Zumal das Marktforschungsinstitut IWSR aus London bis 2027 für Deutschland einen Marktzuwachs von nur 2% in Sachen alkoholfreie Weine prognostiziert.
Prognosen wurden von der Geschichte schon oft widerlegt. Schon klar. Ich frage mich allerdings, wie junge Menschen, die sich vielleicht schon von Haus aus erst gar nicht mit Wein beschäftigt haben oder sich auch erst gar nicht für ihn interessieren, dann dazu gebracht werden sollen, alkoholfreie Weine zu kaufen. Immerhin gibt's ja inzwischen eine Menge spannender alkoholfreier Alternativen aus Obst, Kräutern und Gemüse, die dazu Lifestyle versprechen und nicht so altbacken daherkommen wie so mancher entalkoholisierte Wein.
Und nein, das soll jetzt kein Bashing von alkoholfreien Weinen sein. Deren Berechtigung sehe ich sehr wohl. Und auch deren Nutzen für die Weinwirtschaft. Ich frage mich halt nur, ob sie wirklich der wirtschaftliche Heilsbringer für die Weinbranche sein werden.
Was meinst du❓❓❓