Weingut Dorli Muhr

Weingut Dorli Muhr Fine Blaufränkisch, grown on the pure limestone soils of Spitzerberg

Wenn ich an meine Oma denke, dann immer mit Bewunderung. Sie war eine tüchtige Bäuerin, die als Alleinerziehende in der ...
14/08/2026

Wenn ich an meine Oma denke, dann immer mit Bewunderung. Sie war eine tüchtige Bäuerin, die als Alleinerziehende in der Zwischenkriegszeit drei Kinder und einen Bauernhof groß zog. Auf dem alten Familienfoto aus 1930 ist sie die sehr schlanke, schwarzgekleidete Dame. Ihr Sohn (mein Vater) war zwei Jahre alt, und seit gut einem Jahr war sie Witwe.

Zu ihrer Hochzeit im Jahr 1918 hatte sie einen kleinen Weingarten von ihrer Tante bekommen. 0,17 Hektar Gemischter Satz. Wein war damals kein Luxusgut, sondern gehörte zum Leben. Das ganze Jahr wurde der Weingarten mühsam von Hand bearbeitet, die Lese war ein kurzes Fest, das Pressen ein feierlicher Moment, und dann hatte man für die nächsten Monate wieder einen Vorrat. Wie die Karotten, die Sellerieknollen und die Erdäpfel, die in einem Sandhaufen im Erdkeller gleich neben den drei kleinen Weinfässern gelagert wurden.

Heute bewirtschaften wir zwölf Hektar. Manchmal werde ich gefragt, ob ich stolz darauf bin.
Ja, natürlich. Aber noch viel häufiger empfinde ich Dankbarkeit, denn eigentlich hat keine Generation einen Weingarten wirklich besessen.

Wir übernehmen ihn für eine Zeit. Wir versuchen, ihn zu verstehen. Wir pflegen den Boden, pflanzen Reben, lernen aus Fehlern und hoffen, dass wir den Weingarten zumindest so vital und resilient an die nächste Generation weitergeben können, wie wir ihn übernommen haben. (Cont. ->)

(Cont:)Vielleicht fasziniert mich Wein genau deshalb so sehr. Er zwingt uns, in Zeiträumen zu denken, die größer sind als wir selbst. Wenn wir heute eine Rebe pflanzen, wird sie ihre besten Trauben tragen, wenn wir längst nicht mehr da sind. Wenn wir heute Humus aufbauen und Bäume pflanzen, tun wir das nicht für den nächsten Jahrgang. Wir tun es für Menschen, die wir vielleicht niemals kennenlernen werden.

Ich finde diesen Gedanken unglaublich tröstlich.
In einer Welt, in der alles schneller werden soll, erinnert mich ein Weingarten jeden Tag daran, dass manche Dinge ihre Zeit brauchen. Dass Wachstum nicht beschleunigt werden kann. Dass Geduld keine Schwäche ist, sondern eine Form des Vertrauens.
Vielleicht ist das das eigentliche Erbe meiner Großmutter.

Und gerade in Zeiten, wo alle davon rede

Es gibt Menschen, die zum ersten Mal zu uns kommen und dann überrascht fragen: „Wo ist der Berg?“ Ich verstehe das.Er is...
12/08/2026

Es gibt Menschen, die zum ersten Mal zu uns kommen und dann überrascht fragen: „Wo ist der Berg?“ Ich verstehe das.

Er ist weder hoch noch spektakulär. Kein dramatisches Panorama, keine steilen Terrassen, kein Bilderbuchberg - eigentlich gar kein Berg.
Es ist ein langgezogener Kalkrücken zwischen Alpen und Karpaten, dem täglichen Wind ausgesetzt, karg, trocken und für Menschen aus dem Hochgebirge maximal ein Hügel.

Und doch liegt genau darin seine Größe. Der Spitzerberg versucht nicht, Eindruck zu machen. Er zwingt uns somit aber, genauer hinzuschauen.

Je länger ich hier arbeite, umso mehr verstehe ich seine Geschichte über Jahrmillionen. Als hier das Meer anbrandete und an jeder Hangstelle eine etwas andere dicke Schicht Kalk zurückließ. In ihr wurzeln unsere Reben und geben diese jeweils unterschiedliche Bodenstruktur wieder.
Das Wesentliche erkennt man am Gaumen, es ist für die Augen unsichtbar ;)

05/08/2026

Jeder Sommer braucht ein schönes Finale.
Kaum zu glauben, wie schnell unsere Konzertreihe jetzt vergangen ist.
Wir haben gemeinsam in der Wiese gesessen, großartige Musikerinnen und Musiker erlebt, diskutiert, verkostet, gelacht und den Sonnenuntergang über dem Spitzerberg beobachtet. Genau so hatte ich mir diese Abende immer gewünscht.

Nun kommt unser letztes Konzert des Sommers.
Und ich könnte mir kaum einen schöneren Abschluss vorstellen.

Marie Therese Stickler, Katharina Hohenberger und Peter Havlicek gehören zu den spannendsten Stimmen der neuen Wiener Musik. Sie verbinden Wiener Lied, Jazz, Volksmusik und eigene Kompositionen mit einer Leichtigkeit, die zugleich berührt und überrascht.
Vielleicht ist genau das auch die schönste Beschreibung unserer Konzertreihe.

Tradition als Ausgangspunkt, Neugier als Haltung, und immer die Freude daran, Menschen an einem Tisch – oder eben in einer Wiese – zusammenzubringen.

Wir beginnen wie immer mit einem Aperitif, hören Musik unter freiem Himmel und verkosten anschließend gemeinsam unsere Weine.
Ich freue mich auf diesen letzten musikalischen Sommerabend der Saison mit Euch.

Samstag, 8. August
Weingut Dorli Muhr, Prellenkirchen
Aperitif, Konzert & kommentierte Weinverkostung
Tickets: https://dorlimuhr.at/events/

Gestern haben wir die Einzellagen des Jahrgang 2024 gefüllt und die Flaschen verkorkt. Jetzt legen wir die Weine ins küh...
29/07/2026

Gestern haben wir die Einzellagen des Jahrgang 2024 gefüllt und die Flaschen verkorkt. Jetzt legen wir die Weine ins kühle Lager und fassen sie ein Jahr lang nicht an. Im September 2027 kommen sie dann in den Verkauf.

Für viele sind Korken nichts besonders Spannendes. Sie verschließen eine Flasche, mehr nicht. Lukas sieht das vollkommen anders. “Die Lage muss da auch drauf.” Also haben wir beim Jahrgang 2024 zum ersten Mal auf jeden Korken den Namen der jeweiligen Einzellage draufgedruckt.
Für Lukas ist es wichtig, dass selbst dort, wo die meisten Menschen nur einen flüchtigen Blick hinwerfen, deutlich auf die Herkunft hingewiesen wird.

Das Foto, das mit Lukas von den neuen Korken geschickt hat, bringt mich immer noch zum Schmunzeln. 
Nicht wegen der Korken, sondern weil es so viel über den Menschen erzählt, der sich darüber viele Gedanken gemacht hat.

Ich bewundere, wie selbstverständlich Lukas diesen holistischen Weg geht. Vom Kompost, den er selbst aufbaut, vom ersten Austrieb und dem Pflanzenschutz, bis hin zum Korken. Es geht Lukas nicht darum, dem Wein seinen eigenen Stempel aufzudrücken, sondern der Herkunft Respekt zu zollen. Bis zum letzten Detail.

Das besondere unserer Zusammenarbeit ist, dass Lukas und ich die gleichen Werte und Überzeugungen haben. In der Umsetzung sind wir nicht immer gleicher Meinung. Lukas ist der Praktiker und holt mich oft auf den Boden des Machbaren zurück. Und manchmal ist es umgekehrt, und ich hole ihn auf den Boden des Finanzierbaren zurück. Zwischen uns entstehen Diskussionen, Zweifel, neue Ideen - und am Ende fast immer eine gemeinsame Entscheidung.
Was für ein Privileg das ist.
Nicht nur für mich ganz persönlich und für unser Weingut, sondern für den Spitzerberg ganz besonders. Er, der am Eisenberg geboren ist, trägt die Lagen und die Ausdrucksnuancen des Spitzerbergs so nah an seinem Herzen, dass er sie auf jedem Korken sehen möchte. Ist das nicht wunderbar?

Seit Monaten verfolge ich eine Gesprächsreihe auf Ö1 mit dem Titel “Alte weise Frauen”. Jede Sendung war inspirierend, m...
27/07/2026

Seit Monaten verfolge ich eine Gesprächsreihe auf Ö1 mit dem Titel “Alte weise Frauen”. Jede Sendung war inspirierend, mutmachend und motivierend. Etwa die Gespräche mit Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, mit Ex-Staatssekretärin und CEO Brigitte Ederer, mit Staatspreis-Trägerin Andrea Brem und mit der großartigen Psychotherapeutin Elisabeth Lukas (diesen Beitrag habe ich an ganz viele Kontakte weitergeleitet, große Empfehlung!).

Du kannst Dir vorstellen, dass ich ganz schön sprachlos war, als Redakteurin Alexandra Augustin (Ö1 / FM4) zu ebenso einem Gespräch einlud. Puh! Das Foto stammt von meinem Besuch im ORF Studio im Mai (ich habe Alexandra Augustin einen Riesenstrauss Koriander aus dem Garten mitgebracht).

Zu hören ist der Beitrag ab heute auf Ö1!
Danach ist die Sendung online sowie auf ORF SOUND als Podcast verfügbar.
Hört mal rein, bin gespannt auf Eure Meinung dazu!

https://oe1.orf.at/programm/20260727/838803/Alte-weise-Frauen-9?utm_source=ig&utm_medium=social&utm_content=link_in_bio&fbclid=PAZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQPOTM2NjE5NzQzMzkyNDU5AAGn_9ZNJ6_5x2Ed4BJzi8p5rUxdem5SpOXJ8_hxAW7XHz5Y7zQcr8wlo4c1ylk_aem_2d6wPpAFbsTHE13Qbv-fIQ

24/07/2026

Morgen ist es soweit und ein paar wenige Tickets gibt es noch. Ich könnte Euch jetzt erzählen, dass Thilo Seevers auf Bühnen in aller Welt gespielt hat. Oder Preise aufzählen.

Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass genau das bei Musik nicht funktioniert.
Man muss sie erleben.

Deshalb lade ich Euch ein.
Ich verspreche Euch: Ich hätte ihn nicht an den Spitzerberg eingeladen, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass dieser Abend etwas Besonderes wird. Vertraut meiner Neugier.
Den Rest übernimmt die Musik.

Außerdem: Unser Gemüsegarten ist in voller Pracht, und aus der morgigen Ernte werden wir kleine Gerichte zubereiten, die Ihr schon vor dem Konzert zum ersten Glas Wein genießen könnt.

Jazz in der Wiese:
Thilo Seevers
25. Juli, ab 19 Uhr
29 Euro inklusive Aperitif, Konzert & kommentierter Weinverkostung

Weingut Dorli Muhr Tickets —> www.dorlimuhr.at/events

Ein kleiner Throwback: Manche Abende bleiben noch lange im Kopf - das Konzert in der Wiese mit Puszta Jazz war genau so ...
22/07/2026

Ein kleiner Throwback: Manche Abende bleiben noch lange im Kopf - das Konzert in der Wiese mit Puszta Jazz war genau so ein Abend.

Sigi Finkel und Zoltan Migovics haben den Spitzerberg für ein paar Stunden mit der Weite der Puszta verbunden. Zwischen Melancholie und Lebensfreude, Virtuosität und Leichtigkeit entstand genau jene Stimmung, die ich mir für unsere Konzerte in der Wiese wünsche: zuhören, gemeinsam genießen und anschließend noch lange beisammensitzen.

Dazu kam unsere bunte Gartenküche. Orange, Rot, Gelb und Grün - kleine Gerichte aus dem was die Saison gerade bietet. Ein großes Dankeschön an Marta, die unseren Gemüsegarten mit so viel Hingabe hegt und pflegt. Es ist ein so schönes Gefühl, wenn das, was draußen wächst, am Abend auf den Tellern landet.

Musik, Wein und Essen erzählen eigentlich dieselbe Geschichte: Sie leben von Herkunft, von den Menschen dahinter und davon, dass man sie am schönsten miteinander teilt.

Und weil wir nach diesem Abend gar nicht genug bekommen können, freue ich mich schon auf das nächste Konzert in der Wiese.

Am kommenden Wochenende ist Thilo Seevers bei uns zu Gast. Seine Musik ist ganz anders - leiser, intimer und voller Zwischentöne. Ich glaube, sie wird wunderbar zu einem Sommerabend am Spitzerberg passen.
Ich freue mich auf Euch.

In den vergangenen Wochen wurden - unter der umsichtigen Anleitung von Philippe Ricoux  - vieler unserer Rebstöcke umver...
09/07/2026

In den vergangenen Wochen wurden - unter der umsichtigen Anleitung von Philippe Ricoux - vieler unserer Rebstöcke umveredelt, die zuvor Grüner Veltliner oder Merlot oder Syrah produziert haben. Nun wurden sie zu Blaufränkisch.
Umveredeln ist ein faszinierender Vorgang. Wir bauen auf bestehende Wurzeln, auf gewachsene Erfahrung, auf einen Ort, der seine Geschichte längst kennt. Je länger wir am Spitzerberg arbeiten, desto überzeugter bin ich davon, dass keine andere Sorte Kalk, Wind, Kargheit und Herkunft so präzise übersetzen kann.
Jetzt heißt es warten.

Die Veredelungen müssen anwachsen, die jungen Triebe müssen geschützt werden und irgendwann werden daraus wieder Weine entstehen.
Nicht nächstes Jahr, nicht übernächstes Jahr.
Sondern dann, wenn die Reben bereit sind, ihre Geschichte zu erzählen.
Weinbau ist manchmal einfach Vertrauen in die Zukunft.

Adresse

Weingartenweg 6
Prellenkirchen
2472

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