Greißlerei zu Sooß

Greißlerei zu Sooß Die Greißlerei zu Sooss
.. sagt Ihren Kunden und Gästen
Danke und Auf Wiedersehen

cfj, epistel  #365 Sooß, 2025-01-27An den Ex-GemeindestierBetrifft: Der GemeindestierHochwohlgeborener,ich habe mich seh...
28/01/2025

cfj, epistel #365
Sooß, 2025-01-27

An den Ex-Gemeindestier

Betrifft: Der Gemeindestier

Hochwohlgeborener,

ich habe mich sehr gefreut, Dich seit längerem wieder einmal zu sehen, bei der Gemeinderatswahl, bei guter Gesundheit, wir mir scheint, inmitten der Wahlkommission, was gesichert ist, und auch bei recht guter Laune, wie es schien, wobei sich Deine mir gegenüber geoffenbarte Laune recht deutlich von der Laune der anwesenden Mitglieder der Mehrheitsfraktion unterschieden hat, weil die alle mehr oder weniger angespannt und wenig gut gelaunt in die Gegend geschaut haben, was man verstehen muss, wenn nur die Hälfte der Geschichten stimmt, die man so hört, was wir gerne an anderer Stelle einmal erörtern werden.

Ich nehme einmal an, dass sich nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses die Launen etwas verschoben haben, während die von Dir angeführte Bürgerliste etwa halbiert worden ist, hat die bürgerliche Mehrheitsfraktion gegen den allgemeinen Trend etwas zulegen können, die Sozialisten pendeln seit einigen Wahlen konstant zwischen 84 und 91 Wählern, es blieb die Überraschung also aus, überraschend schlecht und gegen den allgemeinen Trend hingegen haben die Freiheitlichen abgeschnitten, was mich aber nicht besonders gewundert hat.

Nachdem ich ein Zuagraster bin und kein Eingeborener, habe ich einen kurzen Blick auf die bisherigen Ergebnisse Deiner Bürgerliste richten müssen, um zu erfahren, dass die Liste bei ihrem ersten Antreten im Jahr 2010 ziemlich genau ein Viertel aller Stimmen im Dorf eingesammelt hat, etwa 200, dass sie im Jahr 2015 ziemlich genau zwei Fünftel der Stimmen eingesammelt hat, etwa 300, und dann kamst 2020 Du als Listenführer, was ich damals schon hautnah miterlebt habe, weil ich zu der Zeit die Greißlerei geführt habe. Dir sind von den 300 Stimmen Deines Vorgängers wieder rund ein Drittel verloren gegangen, unter dem Strich wiederum knapp 200, was ich damals in Kenntnis des Dorftratsches und der allgemeinen Stimmung entlang der Hauptstraße vorweg recht genau prognostiziert habe. Straße aufwärts abwärts hat man sich darüber alteriert, dass es sich für einen Spitzenkandidaten mit Bürgermeister-Ambition nicht ziemt, während das Wahltages in Bali seine Zehen ins warme Wasser der Java-See zu halten und sich von der mitgereisten Dorfschönheit die Cocktails von der Bar nachtragen zu lassen, derweilen es im heimatlichen Dorf statt warmem Wasser kalte Winterluft und statt Cocktails an der Bar Gspritzte beim Heurigen gibt, was ja doch ein Unterschied ist, durchaus geeignet, Unverständnis und Neid zu schüren.

Es wird auch eine Rolle gespielt haben, dass du zehn Tage vor der Wahl in Konkurs gegangen bist, auch wenn der Konkurs nicht begründet und dubios war, so hat er doch für Aufsehen gesorgt, die Mischung aus Abwesenheit am Wahltag, Bali und Konkurs hat die verlorenen hundert Wähler sehr leicht und stimmig erklärt. Immerhin hat es noch für 5 Sitze im Gemeinderat gereicht, und man durfte gespannt sein, wie sich die Bürgerliste weiter entwickelt.

Sie haben nichts gemacht, aber zumindest haben sie nichts verhindert, so die Zusammenfassung eines wohlwollenden Deiner Kollegen aus dem Gemeinderat am Stammtisch eines Heurigen, knapp vor der Wahl. Diese Einschätzung deckt sich ziemlich genau mit der öffentlichen Wahrnehmung, bei der man sich gefragt hat, ob es die Liste überhaupt noch gibt. Aber ja doch, ein paar Tage vor der Wahl fand sich in den Postkästen des Dorfes ein Folder mit einem gut retuschierten Foto Deinerseits auf der Vorderseite, der Kandidatenliste auf der Hinterseite, und mitten drinnen ein paar Floskeln, wobei erfreulicherweise angemerkt werden muss, dass die Wählerschaft nicht mit irgendeinem Programm belästigt wurde, im Gegensatz zur bürgerlichen Mehrheitsfraktion, die als Programm für die nächste Periode den Ankauf eines neuen Feuerwehrautos auf ihren Folder geschrieben hat, was niemanden besonders überrascht, wenn die beiden Spitzenkandidaten Kommandanten der Feuerwehr sind, da weiß man wenigstens gleich, wo die Gemeindeabgaben hingehen. Im Übrigen waren die restlichen Floskeln auf beiden Folder eins zu eins austauschbar, was die allseitige Ideenlosigkeit betreffend die Zukunft und Positionierung des Dorfes sehr schön dokumentiert, die Sozialisten und die Freiheitlichen haben sich einen Folder überhaupt gleich gespart, man weiß ja ohnehin, wofür sie stehen.

Es war also die Frage beantwortet, ob es die Liste noch gibt, blieb nur die Frage offen, wie viele Stimmen eingesammelt werden können, immerhin 101, was etwa die Halbierung des schlechten Ergebnisses der Wahl vor fünf Jahren war. Wie immer und überall im Leben kann man die Geschichte aus zwei Seiten betrachten, ein sensationell gutes Ergebnis im Verhältnis zum betriebenen Aufwand, ein sensationell schlechtes Ergebnis im Verhältnis zur Größe der Bürgerliste unter Deinem Vorgänger.

Das Ergebnis der Wahl habe ich, wie es sich gehört, bei einem Heurigen erfahren, knapp bevor es offiziell verkündet wurde, natürlich wurde das Ergebnis herzhaft diskutiert, gewundert hat es niemanden. Es wurde moniert, dass Du den Ausschuss, dem Du vorsitzt, in fünf Jahren nur ein Mal einberufen hast, was ich nicht genau weiß, was stimmen kann oder auch nicht, was aber sowieso nicht so viel Interesse geweckt hat wie Dein neues Lebensmotto, vor einiger Zeit von einem Winzer launig auf den Punkt gebracht, Hubraum statt Wohnraum, großvolumige Motoren unter der Motorhaube, dafür ein kleinvolumiges Tiny-House unter dem Flachdach, wobei die Raunzer und Nörgler angemerkt haben, dass Du noch nicht eingezogen bist, weil Dein Haus noch nicht ans Kanalnetz angeschlossen ist, weil Du die Gebühr für den Kanalanschluss noch nicht bezahlt hast, dass Du deshalb noch nicht im Dorf angemeldet bist und ohne Wohnsitz im Dorf gar nicht zur Wahl hättest antreten dürfen, lauter solche Sachen wurden erzählt. Da war mir dann danach, einzuschreiten und diese Raunzereien und Nörgeleien abzustellen, wer weiß, ob das überhaupt alles stimmt, wo bleibt denn die positive Lebenseinstellung und der Blick in eine freudige Zukunft, wenn man sich nur um Bassena-Geschichten kümmert, und dabei völlig die Lebensfreude und das große Ganze vergisst. Ich habe mich auch daran erinnert, dass Du Deinen Lebensunterhalt einmal als Pompfüneberer verdient und immer launig davon erzählt hast, da liegt es für mich auf der Hand, dass Dir das Versenken und Begraben von Dingen ganz leicht von der Hand geht, sozusagen genetisch bedingt ist, Du daher für das Versenken der Bürgerliste die Idealbesetzung bist. Ich sehe das viel positiver als die meisten Dorfgenossen, das Dorf ist zu neun Zehntel bürgerlich, das geht sich in einem einzigen Verein sowieso nicht aus, wenn sich die bürgerliche Partei zerstreitet, keimt irgendwo eine Bürgerliste aus dem Boden und schwächt die Partei, jetzt schwächelt die Bürgerliste und erstarkt die Partei, die erstarkte Partei noch gar nicht aus Freudentaumel heraußen, streitet sie schon wieder, es wird eine neue Bürgerliste aus dem Boden sprießen und die alte ablösen, so ist immer was los im Dorf und in der Gemeindestube, und während wo anders Langeweile herrscht, gibt es an den Stammtischen des Dorfes immer etwas zu reden.

Ich habe mich auch daran erinnert, dass Du sowohl in der Eigenwahrnehmung als auch bis einem gewissen Grad in der Fremdwahrnehmung der Gemeindestier warst, und ich darf Dir in diesem Zusammenhang mitteilen, dass der vierte Teil meiner Romanserie 'La R***e de la Bastille' den Titel 'Der Gemeindestier' trägt, dass Du mich zu diesem Titel inspiriert hast und ich Dich daher in die Widmung des Buches aufnehmen werde. Du schließt damit an andere Sooßer an, denen ich ebenfalls, unter anderen, bereits ein Buch gewidmet habe, nämlich den ersten Teil 'Die Lieben und Leiden der Leonore', das den Weingütern Schwertführer 35 und 47, Schlager und Studeny gewidmet ist, wegen besonderer Verdienste um meine Inspiration, die durch deren Erzeugnisse doch immer wieder herzhaft gefördert wird.

Was jetzt den Gemeindestier im Roman betrifft, handelt es sich dabei um eine Liveshow in der R***e de la Bastille, bei der drei gut bestückte Bullen auf offener Bühne sich vor fachkundiger Jury herzhaft um Nymphomaninnen kümmern, um aus ihrer Reihe den Besten zu küren. Die Idee zu dieser Show stammt aus einem Skandalvideo, mit versteckter Kamera aufgenommen im Büro einer Autobahnraststätte an der Côte d'or, wo drei etwas ältere Dorfbullen sich aufrichtig bemüht um das sexuelle Wohlergehen der Leiterin der Raststätte kümmern. Das Ganze ist eingebettet in den Reigen, der sich in der R***e am Boulevard de la Bastille dreht, und in den wunderschönen Rahmen der Route des Grands Crus, die Gegend bekannt für die besten Pinot Noir, die Autobahnraststätte nicht weit entfernt von den Weingütern, die Napoleon mit seinen Lieblingsweinen beliefert hatten. Es versteht sich von selbst, dass ich Dir ein signiertes Exemplar des 'Gemeindestier' schenke, wenn es auf den Markt kommt, das sollte sich vor den Sommerferien noch ausgehen.

Viel Spaß für die neue Amtsperiode!

CFJ

joellinger.art, epistel  #357Sooß am 27.5.2023An die p.t. Bürgermeisterin von SooßBetrifft: Der vermaledeite BefundHochw...
30/05/2023

joellinger.art, epistel #357

Sooß am 27.5.2023

An die p.t. Bürgermeisterin von Sooß

Betrifft: Der vermaledeite Befund

Hochwohlgeborene,

stellen Sie sich vor, was mich neulich eine nette Mitbürgerin mitten auf der Dorfstraße gefragt hat.

Sie hat gefragt, ob ich die Greisslerei noch einmal aufsperre.

Ich habe ihr gesagt, dass ich die Greisslerei sicher nicht mehr aufsperre.

Dann hat sie mich gefragt, was ich glaube, wie lange es dauert, bis die Greisslerei wieder aufgesperrt wird.

Ich habe ihr gesagt, dass ich keine Ahnung habe, wie lange das dauern wird, bis die Greisslerei wieder aufgesperrt wird, dass es aber sicher nicht ganz einfach werden wird, jemanden zu finden, der die Greisslerei wieder aufsperrt.

Dann hat sie mich gefragt, warum ich glaube, dass das nicht ganz einfach ist.

Ich habe ihr gesagt, dass es nicht lustig ist, ein Geschäftslokal zu mieten, das der Gemeinde gehört, und die Gemeinde nicht hält, was sie verspricht, und die Gemeinde nicht nur nicht hält, was sie verspricht, sondern irgendwann überhaupt nicht mehr spricht, wenn der Dorfkaiserin oder einem der sonstigen selbsternannten Dorfwichtigen irgendetwas nicht passt.

Da war die nette Mitbürgerin aber erstaunt und hat gefragt, was denn die Gemeinde nicht gehalten hat.

Ich habe ihr gesagt, dass es die Gemeinde als Vermieterin in knapp vier Jahren nicht geschafft hat, einen Elektrobefund für das von ihr vermietete Geschäftslokal beizubringen. Und dass es halt nicht sehr lustig ist, einen Betrieb zu führen, der keine aufrechte Betriebsanlagengenehmigung hat, weil der Elektrobefund für den Betrieb fehlt, unter anderem.

Da war die nette Mitbürgerin aber erstaunt und hat gefragt, wie es denn so etwas geben kann.

Ich habe ihr gesagt, dass es so etwas leicht geben kann, wenn es einen Batzen Geld kostet, zu einem Elektrobefund zu kommen, wenn die Drähte der Elektroinstallation am Dachboden frei herumliegen, und die halbe Elektroanlage neu errichtet werden muss, wegen der Erdung und so.

Da war die nette Mitbürgerin aber erstaunt und hat gefragt, wie es denn so etwas geben kann.

Ich habe ihr gesagt, dass es ohnehin ein paar ambitionierte Anläufe einiger selbsternannter Dorfwichtiger gegeben hat, die Peinlichkeit aus der Welt zu schaffen, dass letztlich aber keiner gehalten hat, was er salbungsvoll geflötet oder brunftig hinausposaunt hat. Gleich nach meiner Eröffnung der Greisslerei im 19er Jahr hat sich der seinerzeitige geschäftsführende Gemeinderat für das Bauwesen das Dilemma angeschaut und gemeint, dass die Elektroinstallation eines Betriebes die Gemeinde nichts angeht, auch wenn sie die Vermieterin ist, und hat das zwar nicht in Übereinstimmung mit dem Mietrecht, aber doch sehr nachvollziehbar so begründet wie folgt: dass die Gemeinde derzeit für so etwas leider kein Geld hat und er selber für so etwas zu wenig Zeit, weil er auch andere Dinge zu erledigen hat und weil jetzt bald einmal die Wahl kommt, und er als Spitzenkandidat der Bürgerliste andere Sorgen als irgendwelche Papierln oder fehlende Befunde hat, und weil er überhaupt erst auf den richtigen Zeitpunkt warten muss, um über das Thema mit der Bürgermeisterin zu reden, wobei dieser richtige Zeitpunkt bis zur Wahl zu Beginn des Jahres 2020 leider nicht mehr gekommen ist. Aber immerhin hat der seinerzeitige geschäftsführende Gemeinderat für das Bauwesen bei der ortsansässigen Elektrofirma einen Kostenvoranschlag für die Sanierung der Anlage eingeholt, der Auftrag an die Firma wurde halt leider nie vergeben.

Da war die nette Mitbürgerin mehr als erstaunt und wollte wissen, wie die Geschichte mit dem Befund denn weitergeht.

Ich habe ihr gesagt, dass sich seitdem nicht mehr viel geändert hat. Nach der Wahl kam bald einmal der erste Corona-Lockdown, während dem sowieso nichts passiert ist, und dann kam der schöne 20er Sommer, wo der neue geschäftsführende Gemeinderat für das Bauwesen, seines Zeichens auch ziemlich beliebter Vizebürgermeister mit der Sonnenbrille im Haar, gemütlich bei einem Kaffee im Gastgarten gesessen ist und ich zart angefragt habe, wie es denn jetzt um den fehlenden Elektrobefund für das Lokal steht, was ihn nicht besonders amüsiert hat, und es hat ihn auch nicht amüsiert, dass er festgestellt hat, dass die für die Greißlerei eingerichtete Mistkiste faktisch unbrauchbar ist, weil die Mistkübel nicht ein und aus geschoben werden können, da hat er gleich einmal ganz wichtig alles abfotografiert und sofortige Erledigung der Missstände gelobt, woraus allerdings nichts geworden ist, aber zumindest hat auch er einen Kostenvoranschlag eingeholt, beim zweiten Elektrobetrieb im Umkreis. Zu einer Auftragserteilung ist es wiederum nicht gekommen, das wäre ja noch das Schönere gewesen, wenn man für einen zuagrasten Greissler ein Geld in die Hand nimmt, wenn der Greissler mit seinem vermaledeiten Fassl an der Dorfstraße frech den Wettbewerb verzerrt und Anbote für Liegenschaften legt, die die Gemeinde selber kaufen will. Der geschäftsführende Gemeinderat für das Bauwesen, der ziemlich beliebte Vizebürgermeister mit der feschen Sonnenbrille im Haar, hat nach der leidigen Geschichte mit dem wettbewerbsverzerrenden Fassl an der Dorfstraße mit mir nicht mehr geredet, und er fährt statt dessen am frühen Morgen lieber nach Baden, um dort seine Frühstückskipferl zu besorgen statt im heimatlichen Dorfe, und er wechselt lieber die Straßenseite, um unnötigen Begegnungen und Grußritualen mit dem leidigen Greissler leichter auszuweichen.

Da war die nette Mitbürgerin aber richtig baff und wollte wissen, wie die Geschichte mit dem Befund denn weitergeht.

Ich habe ihr gesagt, dass dann der ambitionierte geschäftsführende Gemeinderat für Finanzen noch einmal einen Anlauf genommen hat, der aber ebenso im Sande verlaufen ist wie die Aktionen zuvor. Bewegung ist in die Geschichte erst wieder gekommen, als einmal die Arbeitsinspektorin in der Greisslerei vorbeigeschaut hat, und die eifrige Inspektorin dabei zur Kenntnis nehmen musste, dass es keinen E-Befund für das Geschäft und keine aktuelle Betriebsanlagengenehmigung gibt, welches Zusammentreffen mit der Arbeitsinspektorin ich so in die Gemeindestube weitergeleitet habe. Da ist plötzlich Leben in den ersten Stock des Rathauses gekommen, und der ambitionierte geschäftsführende Gemeinderat für Finanzen wurde wiederum zwecks Beendigung der Misere auf den Dorfplatz in die Greisslerei geschickt.

Da war die nette Mitbürgerin auf der Dorfstraße aber sehr erstaunt, warum ausgerechnet der geschäftsführende Gemeinderat für Finanzen aktiv wird, wenn es eigentlich um eine Bausache geht.

Ich habe ihr gesagt, dass dies kein besonderes Wunder war, weil die Bürgermeisterin seit dem Vorfall mit dem vermaledeiten Fassl an der Dorfstraße mit mir nichts mehr zu tun haben wollte und der geschäftsführende Gemeinderat für das Bauwesen, gleichzeitig ziemlich beliebter Vizebürgermeister mit der Sonnenbrille im Haar auch nicht, da blieb der Gemeinde nicht mehr viel Wahl bei der Auswahl der handelnden Personen. Der ambitionierte und umgängliche geschäftsführende Gemeinderat für Finanzen hat nicht nur vorbeigeschaut, sondern ist auch gleich tätig geworden, hat den dritten Kostenvoranschlag für die notwendigen Arbeiten zwecks Erlangung des E-Befundes eingeholt, diesmal bei einer Badener Firma, weil die beiden zuvor bemühten Firmen schon sauer auf die Gemeinde waren und mit der Geschichte nichts mehr zu tun haben wollten. Die Badener Firma hat nach Besichtigung des Lokales und des notorischen Dachbodens ihr Anbot für die Sanierung der Misere und die Beibringung des Befundes gelegt, und es wurde mit dem Elektriker und der charmanten Gemeindesekretärin vereinbart, dass in der zweiten Jännerwoche des Jahres 2023 die Sanierungsarbeiten endlich durchgeführt werden. Die zweite Jännerwoche deswegen, weil die Arbeitsinspektorin die Frist für die Vorlage des Befundes mit 31.12. festgelegt hatte, weil die Elektrofirma über die Weihnachten und Neujahr ihre Mitarbeiter aber auf Urlaub schickt, die Arbeitsdauer mit rund einer Woche geschätzt wurde, weil ich bei der Arbeitsinspektorin eine Nachfrist erwirkt hatte, und ich meinerseits Dispositionen treffen musste, um den Betrieb für eine Woche teilweise zu räumen und zu schließen, weil bei der Beengtheit des Lokales an die Arbeiten bei laufendem Betrieb nicht zu denken war. Bevor ich mit dem Räumen des Lokales vor den Heiligen Drei Königen begonnen habe, habe ich vorsichtshalber am 5.Jänner um 9 Uhr 32 bei der Elektrofirma angerufen, um mich zu erkundigen, ob der Arbeitsbeginn in der Greißlerei am 9.Jänner in der Frühe aufrecht ist, was der erstaunte und wenig amüsierte Elektriker verneint hat, weil die Gemeinde den Auftrag nicht erteilt hat, und er sich gewundert hat, dass mir dies nicht mitgeteilt wurde. Was mich hingegen nicht besonders gewundert hat.

Da war die nette Mitbürgerin aber richtig baff und wollte wissen, was seitdem passiert ist.

Ich habe ihr gesagt, dass seitdem nichts mehr passiert ist, weil es für mich offenkundig war, dass die Gemeinde kein Geld in die Hand nimmt für einen zuagrasten Greissler, der auf der Dorfstraße frech den Wettbewerb verzerrt und im stillen Kämmerlein schreibt Angebote für Liegenschaften, die die Dorfkaiserin selber auch will.

Da meinte die nette Mitbürgerin, dass das alles ja nicht wahr sein darf.

Ich habe ihr gesagt, dass das alles leider schon wahr ist, und habe ihr unter einem auch erzählt, mit welchem Münchhausen-Gschichterl die Dorfkaiserin ihren Mitläufern und Speichelleckern erklärt hat, warum die Sanierung der Anlage im gemeindeeigenen Haus nicht passiert ist. Weil nämlich der zuagraste Greissler den Elektriker nicht eingelassen hat. Tatsächlich: den Elektriker zwecks Durchführung der Arbeiten nicht eingelassen hat. Da hat die Dorfkaiserin mit ihren notorischen Erinnerungslücken und Faktenverrenkungen aber ein Pech, dass der Elektriker zwecks Befundaufnahme zwei Mal im Betrieb war, der Termin für den Arbeitsbeginn schon vereinbart und der charmanten Gemeindesekretärin bekanntgegeben war, der Elektriker nur mehr auf den Auftrag von Seiten der Gemeinde gewartet hat, der Elektriker vor dem vorgesehenen Arbeitsbeginn von mir zwecks Abstimmung der Arbeiten und Überlassung der Schlüssel für den Betrieb angerufen wurde, woraus aber letztlich nichts wurde, weil der Elektriker den Arbeitsauftrag von der Dorfkaiserin nicht bekommen und, und wegen der Nichterteilung des Auftrages genauso wenig amüsiert war wie ich selber.

Da meinte die nette Mitbürgerin, dass die Greisslerei wohl nicht wieder aufgesperrt wird, bis ein Elektriker alles gerichtet hat.

Ich habe ihr gesagt, dass das so nicht unbedingt sein muss, ich selber habe ja auch den Betrieb knappe vier Jahre ohne Elektrobefund geführt, und es ist gegangen, man muss halt nur ein wenig achtsam sein. Nur nicht gleichzeitig den Brotbackofen und die Induktionsplatte einschalten, nur nicht gleichzeitig den Brotbackofen und den Geschirrspüler einschalten, dann kommen die Sicherungen einigermaßen gut durch den Tag.

Da meinte die nette Mitbürgerin, dass das alles aber nicht besonders witzig ist.

Ich habe ihr gesagt, dass man eben einen guten Humor braucht, um die Greißlerei in Sooß zu führen, denn der fehlende Elektrobefund ist ohnehin nur die Spitze des Eisberges. Es ist ja auch lästig, wenn es vier Jahre lang durch die Dachluke über der Damentoilette hinein regnet, und wenn es stärker regnet, sich das Wasser in der Lampe der Damentoilette sammelt, und wenn in der Lampe der Damentoilette kein Platz mehr ist, das Wasser direkt von der Lampe an der Decke in die Muschel tropft, was ja kein besonderes Drama ist, wenn niemand auf der Muschel sitzt, was aber schon ein Drama ist, wenn jemand auf der Muschel sitzt. Welche Dame hat es schon gerne, wenn es auf der Toilette nicht nur muschelabwärts tropft, sondern auch deckenabwärts, was ja nicht nur die Befindlichkeit im Allgemeinen stört, sondern im Besonderen auch die Frisur beeinträchtigen kann - nicht jeder hat einen Dreiwettertaft zu Hause.

Da meinte die nette Mitbürgerin, dass das wirklich überhaupt nicht witzig ist.

Ich habe ihr gesagt, dass man eben einen guten Humor braucht, um die Greißlerei in Sooß zu führen, denn wenn man den Lebensmittelinspektor bei guter Laune halten kann, auch wenn schon alle Fristen und Nachfristen für die Erneuerung des Fußbodens, und ein paar andere Kleinigkeiten, abgelaufen sind, bleibt immer noch der Gewerbeinspektor, der die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn er einen Blick auf die Beschaffenheit des Bodens des Gastgartens vor der Greisslerei wirft, denn dort braucht man für den eleganten Service der Kipferl und Melangen nicht nur Gelenkigkeit, da braucht man eben auch ein gewisses Maß an Gelassenheit und Heiterkeit, um über die Kalamitäten und die Löcher im Boden hinwegzusehen.

Da meinte die nette Mitbürgerin, dass es wohl ein Weilchen dauern wird, bis die Greisslerei wieder aufsperrt, wenn sie überhaupt wieder aufsperrt.

Ich habe ihr gesagt, dass es vielleicht ein Weilchen dauern wird, aber dass es schon wieder werden wird, mit einer netten kleinen Greißlerei am Dorfplatz, aus dem einfachen Grunde, weil sich die Gemeindevertreter schwer tun werden, den Leuten das Zusperren eines Nahversorgers im Gemeindelokal zu erklären, nur weil die Gemeinde nicht bereit ist, ein paar Tausender in die Hand zu nehmen, um ihren Pflichten als Vermieterin nachzukommen.

Da fragte mich die nette Mitbürgerin, ob der Ärger mit der Gemeinde der Grund für die Schließung war.

Ich habe ihr gesagt: nein, der Ärger mit der Gemeinde war nicht der Grund, aber er hat die Sache nicht gefördert. Neben dem Ärger mit der Gemeinde der Ärger mit den Kompagnons, eine Personalmisere und ein daraus resultierendes eigenes, absurdes Arbeitspensum, das ist kein Mix, der die Heiterkeit fördert. Ich habe den Zirkus ohnehin knappe vier Jahre lang mitgemacht, da habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich den Stab im Stafettenlauf der Greisslerei weitergebe, auch wenn der nächste Läufer noch nicht ganz startklar ist, so wie es aussieht

Da hat die nette Mitbürgerin dann befürchtet, dass es künftig wohl kein Greisslerei-Semmerl mehr geben wird, nicht mehr den guten Schinken und vermutlich auch keinen Prosecco vom Fass.

Ich habe ihr gesagt, dass es nicht am Schinken und am Prosecco scheitern soll, denn wer immer auch die Greißlerei wieder eröffnet, kann gerne meine Lieferantenliste haben und sich wohlfeil bedienen.

Da mischte sich doch ein Hauch Wehmut in die Konversation und wir gingen wieder unsere Wege, nachdem wir noch ein paar Nettigkeiten ausgetauscht hatten.

Nun sehen Sie, hochwohlgeborene Dorfkaiserin, was auf der Dorfstraße, abseits ihrer gemütlichen Blase im ersten Stock des Rathauses, alles gesprochen wird.

Wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann, Sie diesbezüglich am Laufenden zu halten, so werde ich das natürlich sehr gerne tun, in diesem Sinne:

Grüß Gott

CFJ

Der Geschichte dritter TeilWas das Goldene Flascherl betrifft, war das ganze Jahr 2022 vom Versuch eines Verkaufes des L...
15/05/2023

Der Geschichte dritter Teil

Was das Goldene Flascherl betrifft, war das ganze Jahr 2022 vom Versuch eines Verkaufes des Lokals geprägt, der Betrieb geschlossen. Was die Greißlerei betrifft, war das Jahr 2022 ein Normaljahr, wenn man eine Personalmisere als normal ansieht, wenn es man es als normal ansieht, dass eine Vermieterin keinen Elektrobefund für Lokal beibringt, und wenn man viele andere Dinge als normal ansieht, die eigentlich nicht normal sind, aber die andere Unternehmen auch betreffen.

Was die Greißlerei GmbH, die die beiden Betriebe geführt hat, betrifft, hat die das Jahr 2022 wirtschaftlich nicht überlebt, sie ist über die Baukostenüberschreitungen im Goldenen Flascherl, die coronabedingte Schließung Ende 21 und die Anlaufverluste im Restaurant gestolpert. Auch die Beratungsgesellschaft meiner Angetrauten, die die Greißlerei GmbH querfinanzert und einen Teil der Verluste aufgefangen hat, hat das Jahr 2022 nicht überlebt.

Da war es aber ein Glück, dass sich die beiden Kompagnons, mit denen ich ursprünglich die PRJ gegründet hatte, zerstritten haben, jene zwar untereinander nicht mehr geredet haben, wohl aber wechselweise mit mir. Da lag es auf der Hand, die Greißlerei nicht mit der pleite gegangenen Greißlerei GmbH weiterzuführen, sondern mit der ursprünglichen Gesellschaft, weil die aber auch in Mariazell und in Guntramsdorf engagiert war, wurde der Betrieb in Sooß nicht direkt von der Gesellschaft betrieben, sondern mit einem Betriebsführungsvertrag. Sohin hat ab November 2022 nicht mehr die Greißlerei GmbH, sondern eine Betriebsführungsgesellschaft die Greißlerei zu Sooß geführt, was ohnehin auf jedem Rechnungszettel ersichtlich war.

Der laufende Betrieb war im letzten Jahr überaus fordernd. Nach dem Ausscheiden der quirligen Sophie und der warmherzigen Aletta sind keine Mitarbeiter mehr aufgetaucht, die an sie herangereicht hätten. Ein Nachmittagskellner, dessen Gschamstere sich mit den Gästen zerstreitet, eine Branchenfremde, die nach einem halben Jahr noch immer nicht Schinken schneiden kann, Aushilfskräfte mit hysterischen Reaktionen auf Kleinigkeiten, das ist zwar alles nicht unüblich, aber es drückt aufs Gemüt und macht keinen Spaß, vor allem dann nicht, wenn man 60-, 70-Stunden-Wochen hat, um die Defizite reihum aufzufangen.

Und siehe da: ein Lichtstrahl am Horizont, ein Vorstellungsgespräch wie schon lange nicht mehr, ein Profi mit Erfahrung, sie fängt am 8 Mai an, und alles wird gut, die Personalmisere hat ein Ende.

Und siehe da, am Abend des 7.Mai um 20 h 57 ein SMS wie folgt: Guten Abend. Ich gebe Ihnen Bescheid, dass ich morgen um 5 Uhr nicht kommen kann. Ich habe ganzen Tag Zahn und Ohr schmerzen gehabt, jetzt habe ich noch immer. Morgen gehe ich zum Arzt. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Mit freundlichen Grüßen.

Willkommen in der östereichischen Gastronomie im Jahr 2023. Absagen, dubiose Krankenstände, Leiharbeiter, Aushilfen, die maximal 15 Stunden in der Woche arbeiten können, weil sie auf Work-Life-Balance achten müssen.

Wieder ein Tag alleine im Geschäft. Selber einkaufen, selber in der Früh Brot aufbacken, selber den Betrieb führen. Wieder ein 14-Stunden-Tag, an der Oberfläche der Greißlerei. Unter der Oberfläche die Kontroversen mit dem Masseverwalter der Greißlerei GmbH und das Herumschlagen mit den Forderungen der Kompagnons betreffend die Betriebsführung. Dann im Laufe des Nachmittags ein Telefonat, dass das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Jeder hat irgendwo seine Belastungsgrenze, meine war am Nachmittag des 8.Mai erreicht. Die Angetraute auch im Geschäft, habe ich mir am Einserfassl im Gastgarten inmitten der Stammgäste die Frage gestellt, ob ich mir den ganzen Zirkus weiter antun soll, die Antwort darauf war nein.

In der Nacht auf den 9.Mai habe GESCHLOSSEN auf die Ankündigungstafel der Greißlerei geschrieben, am 9.Mai habe ich den Mietern der Greißlerei, den alten Kompagnons und dem Masseverwalter der Greißlerei GmbH, die Schlüssel des Lokales geschickt, eingeschrieben mit Rückschein, siehe unten. Man wird sehen, was daraus wird, ob sich noch einmal wer findet, der den Betrieb weiterführt, oder ob das das endgültige Ende der Geschichte ist.

Es ist jedenfalls das Ende meiner Geschichte in der Greißlerei.

Vielen lieben Dank an die treuen Kunden und Stammgäste!

Vielen lieben Dank für die Reaktionen und die anerkennenden Mails, die mir seit der Betriebsschließung zugekommen sind.

Licht & Liebe, und zwischendurch Prosecco!

Und: vielleicht sieht man sich ja bald wieder,

CFJ, der Ex-Greißler

Copyright Foto: RIA Novosti archive, image #669616 / Anatoliy Garanin / CC-BY-SA 3.0

Der Geschichte zweiter TeilDer Lockdown im Herbst 2021, während dem die Greißlerei als Lebensmittelhandel ohne Gastro we...
12/05/2023

Der Geschichte zweiter Teil

Der Lockdown im Herbst 2021, während dem die Greißlerei als Lebensmittelhandel ohne Gastro weitergeführt wurde, war der Auslöser für die Frage, wie es mit der Greißlerei GmbH weitergehen soll, weil man wiederum nicht wusste, wie lange das neuerliche Theater dauert und es war bald der Entschluss gefasst, dass das Goldene Flascherl verkauft und die Greißlerei am Dorfplatz weitergeführt werden soll. Mit einem Verkauf des Flascherls wären die Investitionen und die anerlaufenen Anfangskosten wieder herinnen gewesen, es wurde noch im Winter 21/22 mit den Verkaufsbemühungen begonnen.

Das Jahr 2022 gestaltete sich für die Greißlerei GmbH schwierig, aus mehreren Gründen.

Nach der coronabedingten Schließung des Goldenen Flascherl im November 21 war der Großteil der Einnahmen weg, ein Großteil der Kosten ist aber weitergelaufen. Coronaförderungen für die Gesellschaft hat es keine gegeben, weil Grundlage für Förderungen die Zahlen der Vorjahre war, die es im Goldenen Flascherl nicht gegeben hat, weil es erst 2021 eröffnet wurde.

Ein Verkauf des Goldenen Flascherl ist 2022 gescheitert, woran sich bis dato nichts geändert hat. Von den paar Dutzend Interessenten, die sich die Liegenschaft angeschaut haben, haben nur zwei Angebote gelegt, und die waren uninteressant.

Die Personalsituation in der österreichischen Gastronomie hat sich seit den Corona-Lockdowns stark verändert. Haben sich im Jahr 2019 auf ein Jobinserat noch rund 20 Bewerber gemeldet, meldete sich 2022 niemand mehr. Da haben wir aber ein Glück gehabt, dass wir noch zwei nette, zuverlässige Mitarbeiterinnen aus der Vorzeit gehabt haben, die ohne Jobverlust durch die Lockdowns gekommen sind, weil sie den Betrieb im Lebensmittelhandel aufrecht gehalten haben. Da haben wir aber ein Pech gehabt, dass im Laufe des Jahre 2022 die eine schwanger geworden ist, die zweite sich 100 Kilometer weg ein Haus gekauft hat. Damit war die Stammmannschaft weg, etwas Gleichwertiges ist nicht mehr nachgekommen. Wer steht schon gerne um vier Uhr morgens auf, damit er rechtzeitig um fünf bei der Arbeit ist. Was zur Folge hatte, dass ich selber seit September 2022 jeden Tag im Geschäft gestanden bin, die Weihnachtsfeiertage ausgenommen.

Es war aber nicht nur die Personalmisere, die für Verdruss gesorgt hat, ärgerlich war auch das Verhalten und die Einstellung der die Greißlerei vermietenden Gemeinde, die es in knapp vier Jahren nicht geschafft hat, einen Elektrobefund für das Lokal beizubringen, die es in vier Jahren nicht geschafft hat, eine akzeptable Lösung für die Müllentsorgung zu schaffen, dafür im Gegenzug für viel Missstimmung gesorgt hat. Die vorerst freundliche, im Laufe der Zeit aber zunehmend aversiver gewordene Haltung der Bürgermeisterin mir gegenüber hat mich im April des Jahres bewogen, ihr eine Epistel zu schreiben, die lautet wie folgt:

cfj – joellinger.art - epistel #356 – wien, am 4.4.2023

An die p.t. Bürgermeisterin von Sooß

Betrifft: Das vermaledeite Fassl

Hochwohlgeborene,

was waren das noch für selige Zeiten, im gemütlichen 19er Jahr, als Sie einen Nachfolger für die pleite gegangene Greißlerei am Dorfplatz gesucht haben, als wir uns schnell handelseins waren, als wir kurz darauf unter Beisein unseres Hochwürden die Greißlerei wieder eröffnet haben, als wir im neuen Gastgarten das eine oder andere Gläschen getrunken und das eine oder andere Bonmot getauscht haben, aber diese seligen Zeiten, die sind lange vorbei, nunmehr wechseln Sie die Straßenseite, wenn Sie bei der Greißlerei vorbeigehen, um nur nicht anzustreifen, und ihre Mitläufer und Speichellecker tun desgleichen. Da erscheint es legitim, einen Blick auf die Ursachen dieser diametralen Änderung der Situation zu werfen, zumal es Ihnen ja nicht zu blöd ist, laufend zu versuchen, mit Schauergeschichten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten die Wahrheit zu verschleiern und die Fakten ins Gegenteil zu verkehren, zu versuchen das Geschäft, das seinerzeit gar nicht schnell genug aufgesperrt werden konnte, bestmöglich zu verunglimpfen, Ihre Entourage aufzufordern, nicht mehr im Geschäft im Dorf einzukaufen, stattdessen lieber in die Nachbarorte auszuweichen. Wenn sich jemand als Amtsträger zu solchen Entgleisungen hinreißen lässt, dann muss der Stachel im Fleisch wohl besonders tief sitzen, und diese paar Zeilen hier mögen helfen, die Geschichte ein wenig aufzuhellen.

Es begab sich eines schönen Frühlingstages anno 2020, als der neu geschaffene Gastgarten der Greißlerei am Dorfplatz zu blühen begann, Sie an der Blütenpracht vorbeimarschierten und ich Sie gefragt habe, ob ich den kleinen, ungepflegten Flecken an den Gastgarten anschließend, zwischen dem Gehsteig und der Straße, mitbenützen kann. Ich würde ihn auf meine Kosten herrichten, bepflanzen und pflegen, im Gegenzug gestatten Sie es mir, dort ein zusätzliches Fassl für den Gastgartenbetrieb aufzustellen. Die Idee hat Ihnen gut gefallen, halb ernst, halb scherzhaft haben Sie dann gesagt, dass Sie das nicht alleine entscheiden können, Sie müssen zuerst die Opposition fragen, weshalb Sie sich an ein nebenstehendes, gut besetztes Fassl im Gastgarten mit Barhockern gewandt haben, wo drei Gemeinderäte der Bürgerliste fröhlich zechten, wo Ihre Frage durch Akklamation und Zuruf beantwortet wurde und Sie mir daraufhin Ihre Zustimmung erklärten, woraufhin ein paar Tage später einer der anwesenden Gemeinderäte, seines Zeichens Gartenbauer, die Gestaltung des Platzes in Angriff nahm. Das war bald einmal erledigt und als krönender Abschluss der Aktion wurde auf dem Platz auch ein Fassl aufgestellt, mit massiver Eichenplatte, für meine Gäste nur das Beste.

Dann dauerte es keine drei Tage, und Sie kamen in Begleitung des frisch gebackenen Vizebürgermeisters vorbei, um mir mitzuteilen, dass der Vorplatz und das Fassl so nicht vereinbart waren, und der Platz wieder geräumt werden und das Fassl wieder entfernt werden muss. Ich habe ihnen mitgeteilt, dass dies so nicht passieren wird, weil die Platzgestaltung sehr wohl so vereinbart war, dass Sie halb ernst, halb scherzhaft sogar noch die Opposition im Gemeinderat um Zustimmung gebeten haben, dass ein voll besetzter Gastgarten Zeuge Ihrer Entscheidung war, dass ein amtierender Gemeinderat wohl nicht einen Auftrag zu Arbeiten auf Gemeindegrund gegen den Willen und ohne die Zustimmung der Bürgermeisterin angenommen hätte. Woraufhin Sie nolens volens mit Ihrem frisch gebackenen Vizebürgermeister im Schlepptau wieder von dannen gezogen sind.

Dann dauerte es wiederum keine drei Tage, und es war auch der Grund geklärt, woher Ihr plötzlicher Stimmungsumschwung in Sachen Vorgarten und Fassl kommt, nämlich von unserem lieben Herrn Bauernbundobmann, meinem Nachbarn schräg vis-a-vis, der bei Ihnen in der Gemeindestube mehr oder weniger lautstark, da driften die Erzählungen auseinander, mit mehr oder weniger Sekundanten, da driften die Erzählungen und Ehrenwörter ebenfalls auseinander, interveniert hat, dass das Fass der Greißlerei am Vorgarten schnell wieder weg gehört, weil es erstens einmal nicht sein kann, dass ein zuagraster Greißler am Gemeindegrund auf der Hauptstraße ein Fassl aufstellt, wenn desgleichen den einheimischen Hauern verwehrt ist, und weil es sich beim Fassl an der Hauptstraße um eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Greißlerei und zulasten der Hauer handelt.

Jawoll. Um eine Wettbewerbsverzerrung.

Da ich die skandalöse Ungleichbehandlung zwischen zuagrastem Greißler und einheimischen Hauer irgendwie nachvollziehen konnte und daher so im Raum habe stehen lassen, war mir die angebliche Wettbewerbsverzerrung doch ein paar Zeilen an unseren lieben Herrn Bauernbundobmann wert, welche Zeilen ich ihm persönlich überreichen wollte, wozu es allerdings nicht gekommen ist, weil bei meinem Eintreffen an seinem Hofe nur seine charmante Gattin anwesend war, die sich sogleich nach dem Inhalt des Schreibens erkundigte, wobei ich der gebildeten und charmanten Gattin des Bauernbundobmannes den wesentlichen Inhalt, nämlich die lautstarke Intervention des Gatten bei der Bürgermeisterin wegen des vermaledeiten Fassls am Gemeindegrund und Wettbewerbsverzerrung auf der Hauptstraße mitteilte, wobei mir die gebildete und charmante Gattin unseres lieben Bauernbundobmannes Stein und Bein schwor, dass ihr Hannes so etwas nie tun würde, schon aus dem ganz einfachen Grunde, weil ihr Hannes harmoniebedürftig ist und mit allen seinen Mitmenschen lieb und gut sein möchte, was ich so zur Kenntnis genommen habe, und deshalb mein Schreiben wieder mitgenommen habe, weil ich mich vielleicht geirrt hatte.

Dann hat es keine drei Tage gedauert, und unser lieber Herr Bauernbundobmann erschien zu früher Stunde mit hochrotem Kopf in der Greißlerei, um sich besonders lautstark bei mir zu erkundigen, wer denn das erzähle, dass er bei der Bürgermeisterin wegen des vermaledeiten Fassls interventiert hat, was ich ihm gerne beantwortet habe.

Das ganze Dorf.

Zwischenzeitig wusste es ja tatsächlich das ganze Dorf.

Das ganze Dorf.

Dann fragte unser lieber Bauernbundobmann, mit hochrotem Kopf und knapp vor der Explosion, ob die zwei gerade im Lokal anwesenden, frühstückenden Herren auch dem ganzen Dorf zuzurechnen sind, was zu bejahen war, die beiden Herren ebenso Gemeinderäte wie er, allerdings nicht dem Bauernbund zuzurechnen, sondern der Bürgerliste. Die Verbalinjurien drohten in Realinjurien zu kippen, weshalb ich die p.t.Gäste gebeten habe, ihre Diskussion doch bitte im Gastgarten fortsetzen zu wollen, damit im Falle des Falles die Blutspritzer nicht innerhalb des Gemäuers wegzuwischen sind, sondern einfacher mit dem Schlauch im Garten wegzuspritzen. Sohin entfaltete sich am Fassl vor der Eingangstüre ein legendärer Schlagabtausch zwischen unserem lieben Herrn Bauernbundobmann und der grauen Eminenz der Bürgerliste, die wechselseitigen Beleidigungen vom allerfeinsten, die Kontroverse auf höchstem Niveau, das Spektakel leider nicht in Bild und Ton festgehalten, Donawitz gegen Simmering ein Lercherlschas gegen die morgendliche Kontroverse am Einserfassl. Seit jenem denkwürdigen Morgen darf die charmante und gebildete Gattin unseres lieben, nicht ganz so gebildeten und charmanten Bauernbundobmannes, nicht mehr in die Greißlerei um das Frühstücksgebäck gehen, sondern muss nach Vöslau zum Bäcker um die Kornspitz und Semmerln fahren, und schon gar nicht darf sie in die Greisslerei gehen, um dort Prosecco zu trinken, denn seit jenen Tagen steht für den Bauernbundobmann fest, dass die Greißlerei vis-a-vis seines Hofes der Hort des Bösen ist, um den man besser einen großen Bogen macht.

Nun müsste man meinen, dass der freche Greißler mit seinem den Wettbewerb verzerrenden, vermaledeiten Fassl bereits genug gefrevelt hat, aber nein, weit gefehlt, es kommt noch viel dicker.

Es begab sich nämlich nicht viel später als die leidige Fasslgeschichte, dass das an die Greißlerei angrenzende Haus, vlg. der kleine Fischer, zum Verkauf anstand, was dem frevelnden Greißler nicht verborgen blieb, weil der Verkäufer immer wieder gerne einmal in der Greißlerei auf eine Melange oder so vorbeischaut. Es war auch kein Geheimnis, dass die Gemeinde selber am Ankauf interessiert ist, weil die ebenfalls angrenzende Feuerwehr in ihrer Einschätzung Platz für ihre Erweiterung braucht. Die Gemeinde legte daher für den kleinen Fischer ein Angebot, was nach dem Dafürhalten des Verkäufers ein etwas dürftiges Angebot war, für den Verkäufer etwas dürftig, für die leere Gemeindekasse etwas gewagt, sodass der Verkäufer bei einer Melange auch erzählte, dass er für bessere Angebote jederzeit offen ist.

Und dann passierte es.

Der frevelnde Greissler legte für den kleinen Fischer ein Angebot, dass fünfzig Tausender über dem Angebot der Gemeinde lag.

Und nicht nur das.

Nach dem Angebot des frevelnden Greißlers legte ein Stahlbauer mit gut gefülltem Portemonnaie ein weiteres Angebot, das noch einmal fünfzig Tausender über dem Frevelanbot lag. Der Verkäufer fragte sowohl den frevelnden Greißler als auch die Gemeinde, ob noch wer überbieten möchte, was nicht passiert ist, weshalb der kleine Fischer an den Stahlbauer mit dem gut gefüllten Portemonnaie ging.

Nun könnte man meinen, dass mit dem Verkauf des kleinen Fischer an den Stahlbauer die Geschichte für die Gemeinde und den frevelnden Greissler erledigt ist, weil ja nicht der frevelnde Greissler zum Zug gekommen ist, sondern der Stahlbauer mit dem gut gefüllten Portemonnaie. Aber dem ist nicht so.

Weil nämlich der Greißler mit seinem Anbot für den kleinen Fischer die Sache überhaupt erst ins Rollen gebracht hat.

Weil nämlich der Greißler sich als Zuagraster nicht in die Angelegenheiten der Einheimischen zu mischen hat, überhaupt wenn schon alles so schön vorbesprochen ist.

Weil nämlich der Greißler seine Wurstblattln und seine Kipferln verkaufen soll, und sonst die Pappm halten soll, wenn er nicht gefragt ist.

Weil nämlich der Greißler eine Majestätsbeleidigung begangen hat, wenn er als Privater eine Liegenschaft kaufen will, die die Dorfkaiserin auch will.

Da war es dann aber endgültig Schluss mit lustig. Der Vizebürgermeister, der wie auch die gebildete und charmante Gattin des lieben Bauernbundobmannes in die Nachbarstadt um das Morgengebäck fuhr, legte noch eins drauf und grüßt seither nicht mehr zurück, wenn er nicht ohnehin zuvor schon die Straßenseite gewechselt hat. Dass die Tochter der Bürgermeisterin seither nicht mehr um die Schuljause für die Kinder kommt, versteht sich von selbst, und dass es ihr die gesamte Entourage der Bürgermeisterin gleich tut, versteht sich auch von selbst, als Spitze des Eisberges des Greißlerei-Bashings der Bürgermeisterin.

Zum vermaledeiten Fassl dazu auch noch das Durchkreuzen der Pläne der Gemeinde und der Feuerwehr beim kleinen Fischer, na bitte, so einen Greissler hat Sooß gerade noch gebraucht.

Es ist jetzt gute zwei Jahre her, Hochwohlgeborene, dass wir unser nettes, kleines Spannungsverhältnis aufrecht halten, diese guten zwei Jahre ihrerseits gespickt mit Sticheleien und Boshaftigkeiten, die wir uns im Detail für eine spätere Stunde aufhalten dürfen, und es ist jetzt schon gute zwei Jahre her, dass ihre Mitläufer und Speichellecker auf ihr Geheiß die Greißlerei meiden.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum sich jemand, in diesem Falle ich, ein kleines Geschäft antut, wenn es große Geschäfte auch gibt, wenn man von der eigenen Bürgermeisterin gemobbt und von einem Teil der Dorfwichtigen gemieden wird, denn bekanntlich riskiert man bei bei solchen quälenden Zuständen seelischen Gram, Magengeschwüre, selbst Depressionen sind unter solchen Umständen nicht ausgeschlossen, die Bürgermeisterin vom Amtsbonus und den sie umgebenden Mitläufern und Speichelleckern gut geschätzt, ein armer Greißler ganz alleine auf weiter Flur, da ist bald einmal die Verzweiflung nicht mehr weit, und dazu der Verdruss und auch das Herzeleid.

Die oben aufgeworfene Frage darf ich Ihnen gerne beantworten, hochwohlgeborene Frau Bürgermeister.

Mit jeder Ihrer Aktionen, die wir uns im Detail für spätere Stunden aufheben wollen, hat sich im Gegenzug dazu die Wertschätzung und die Anerkennung des Geschäftes durch die Kunden und Gäste erhöht. Je weiter Sie die durch mich geführte Greißlerei in den Dreck ziehen, umso weiter ziehen die Stammkunden und Stammgäste die Greißlerei mit Zustimmung und Anerkennung aus diesem Sumpf wieder heraus, was den Dorftratsch ganz wunderbar beflügelt, was Sie von ihren Mitläufern und Speichelleckern gut geschützt vielleicht nicht alles mitbekommen, was aber das Kabarett entlang der Dorfstraße sehr schön am Laufen hält.

Und nicht nur das: durch Ihre aversive Haltung mir gegenüber und die Geschichten, die sich darum ranken, bin ich für doch einige im Dorfe zur Anlaufstelle für Beschwerden und die Entrüstung über Ihre Amtsführung geworden, wobei es mich immer wieder wundert, wie viel sich die Leute gefallen lassen, ohne zum Kadi oder zur Aufsichtsbehörde zu laufen. Natürlich ist Ihnen das alles längst zu Ohren gekommen, weshalb Sie die Greißlerei als Ort der Konspiration und der Verschwörung ansehen, wie ich aus verlässlicher Quelle weiß, und doch darf ich Sie in diesem Zusammenhang beruhigen:

Das ist nicht der Fall.

Wirklich nicht der Fall.

Keine Konspiration und keine Verschwörung gegen Sie in der Greißlerei, bei meiner Ehr, und das gleich aus mehreren Gründen.

Erstens einmal habe ich selber keine wie immer gearteten politischen Ambitionen, im Allgemeinen nicht, und als Zuagraster in der Sooßer Gemeindestube schon gar nicht. Lieber ein guter Greißler statt ein schlechter Bürgermeister.

Zweitens einmal sollte man aus dem Faktum, dass ein paar Repräsentanten der sogenannten Opposition in der Greißlerei Kaffee und Spritzer trinken, nicht gleich schließen, dass es sich dabei um Verschwörungen handelt. Die Oppositionellen möglicherweise lendenstark, aber jedenfalls politisch schwach, haben meines Wissens nach in der Greißlerei schon viel diskutiert, aber eine Verschwörung war nie dabei.

Drittens einmal verkehren die Kreise, die am lautesten über Ihre Ablöse nachdenken, nicht in der Greißlerei. Es wird schon nicht ganz falsch sein, wenn Sie in Ihren eigenen Reihen Überlegungen zum Königsmord vermuten, aber das ganz sicher nicht in der Greißlerei, wo doch Ihre Entourage die Greißlerei meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Sie sehen also, Hochwohlgeborene, dass die von Ihnen vermuteten Verschwörungen in der Greißlerei nicht stattfinden, nicht stattfinden können, weil ihnen dafür die Grundlage fehlt, was man bedauern kann oder auch nicht, aber es ist eben einmal so.

Sie sehen also weiters, Hochwohlgeborene, dass Ihr Greißlerei-Bashing bei mir weder Depressionen noch Magengeschwüre hervorruft, weil mir die Anerkennung und Zustimmung meiner Kunden wichtiger ist als Ihr Mobbing aus der Gemeindestube.

Aber natürlich würde es mich auch nicht stören, wenn Sie Ihr Verhalten und Ihre Amtsführung ändern würden.

Aber natürlich weiß ich auch, dass das unrealistisch ist.

Küss die Hand, CFJ

Soweit der Geschichte zweiter Teil,
der dritte folgt in kurzer Weil’.
CFJ

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