11/10/2026
Für euch gelesen.
Der Abschied vom Café Engländer ist mehr als die Geschichte eines Wiener Stammlokals. Der Bericht von Samir H. Köck in der Presse am Sonntag zeigt einmal mehr, wie eng ein gastronomisches Konzept mit den Menschen verbunden ist, die es über Jahre prägen. Und wie rasch etwas verloren gehen kann, das weit über Kaffee, Küche und Service hinausgeht.
Ich schätze die Berichte von Samir H. Köck besonders, weil sie stets auch Erlebtes widerspiegeln. Er beschreibt nicht nur, was passiert, sondern versteht es, die Hintergründe, die handelnden Menschen und die gesellschaftlichen Veränderungen dahinter sichtbar zu machen.
Sehr treffend ist dabei sein Blick auf Wien und das Wegschauen. Wenn ein Lokal verschwindet, geht es eben nicht ausschließlich um einen wirtschaftlichen Betrieb. Es geht auch um Haltung, um gewachsene Beziehungen und um die Frage, wie eine Stadt mit ihren eigenen Institutionen umgeht.
Christian Wukonigg war ein Mann, den ich persönlich sehr geschätzt habe. Er besaß das nötige Fingerspitzengefühl, um zu erkennen, warum ein gastronomisches Konzept funktioniert – und was es braucht, damit daraus ein Ort wird, an dem sich Menschen über Jahrzehnte gerne aufhalten. Dieses Verständnis für Gäste, Atmosphäre und gesellschaftliche Zusammenhänge lässt sich nicht einfach durch eine neue Einrichtung oder ein anderes Angebot ersetzen.
Ein vergleichbares Beispiel findet sich für mich in Berlin: die Paris Bar. Bei jedem meiner Berlinbesuche kehre ich dort stets gerne ein. Sie ist für mich ein Ort mit Charakter, Geschichte und einer ganz eigenen Atmosphäre. Man besucht sie nicht nur wegen der Küche, sondern auch wegen dessen, was diesen Ort ausmacht und was sich nicht beliebig kopieren lässt.
Genau darin liegt eine der wesentlichen Erkenntnisse für die Gastronomie: Ein Lokal kann wirtschaftlich erfolgreich sein, aber zu einer Institution wird es erst durch seine Menschen, seine Eigenständigkeit und die Beziehungen, die über Jahre entstehen.
Die Geschichte des Café Engländer ist deshalb auch ein Anlass, genauer hinzusehen, bevor ein Stück gastronomischer Stadtkultur unwiederbringlich verloren geht.
Eine Beobachtung, die auch aus Sicht der Vanilli Consulting GmbH über Wien hinaus Bedeutung hat.