28/06/2026
Neun Höfe, ein ehrlicher Vergleich – und ein Ergebnis, das aufhorchen lässt.
Ein Forschungsteam um Julius Reiff hat genau hingeschaut: Auf neun Permakultur-Betrieben in Deutschland und Luxemburg stellten die Forschenden die Permakultur-Flächen jeweils einem benachbarten, konventionell bewirtschafteten Vergleichsfeld gegenüber. Untersucht wurde, was im Alltag gern übersehen wird – das Leben im Boden und über dem Boden. Und die Zahlen sprechen eine erstaunlich klare Sprache.
Fangen wir unten an, beim Boden. Die Permakultur-Flächen speicherten im Schnitt 37 Prozent mehr Kohlenstoff als der Acker nebenan: 87 statt 62 Tonnen pro Hektar. Das ist fast so viel wie unter einer alten Wiese – nur dass hier weiterhin Gemüse, Obst und Nüsse wachsen. Humusreicher Boden bindet nicht nur CO2, er hält auch Wasser. Rechnerisch liegen pro Hektar rund 80 Tonnen Wasser mehr im Boden – ein stiller Vorrat für trockene Sommer.
Wo Humus ist, ist Leben. Die Regenwurm-Population war drei- bis viermal so gross, die mikrobielle Biomasse um 42 Prozent höher. Man darf sich das ganz wörtlich vorstellen: unzählige kleine Helfer, die lockern, umsetzen und düngen, ohne je eine Rechnung zu schicken. Entsprechend war der Boden weniger verdichtet und reicher an Nährstoffen – und das ganz ohne synthetischen Dünger, denn alle Betriebe wirtschaften nach Bio-Richtlinien.
Über dem Boden setzt sich die Vielfalt fort: dreimal so viele Pflanzenarten wie auf konventionellen und ökologischen Vergleichsflächen, dazu rund 80 Prozent mehr Vogelarten. Diese Vielfalt ist kein hübsches Beiwerk, sondern Statik – sie macht das ganze System widerstandsfähiger.
Bleibt die grosse Frage, an der sich die Geister scheiden: der Ertrag. Und hier kommt die eigentliche Überraschung. Die Permakultur-Betriebe lieferten im Schnitt vergleichbare Erträge wie die deutsche Landwirtschaft insgesamt – und die Daten deuteten an, dass sie den Durchschnitt des Ökolandbaus um bis zu 44 Prozent übertreffen könnten. Nachhaltig und produktiv schliessen sich also nicht aus. Ganze 79 verschiedene Kulturpflanzen fanden die Forschenden auf den Flächen – ein Reichtum, der auch wirtschaftlich Sicherheit gibt, wenn eine Kultur einmal schwächelt.
Natürlich bleiben Fragen offen: Wie hält sich das über Jahrzehnte und im grossen Massstab? Die meisten dieser Betriebe sind noch keine zehn Jahre alt. Aber die Richtung ist bemerkenswert deutlich. Eine Landwirtschaft, die dem Vorbild der Natur folgt, kann zugleich Böden aufbauen, Vielfalt beherbergen und satt machen.
Vieles, was wir mühsam suchen, steht längst im grossen Lehrbuch draussen geschrieben. Manchmal braucht es nur jemanden, der geduldig nachmisst.
Ein Forschungsteam um Julius Reiff hat neun landwirtschaftliche Betriebe in Rheinland-Pfalz, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und in Luxemburg unter die Lupe genommen. Auf den Permakultur-Flächen dieser Betriebe und auf jeweils einem Vergleichsfeld haben die Forschenden verschiedene Indik...