JĂĽdisches Unternehmertum findet sich auch in einem anderen typischen Bamberger Gewerbe- und Wirtschaftszweig, der Bierherstellung.
1877 hatte der Hopfengroßhändler Simon Lessing das Tonwerk Bamberg gegründet, das mit insgesamt drei Standorten im Bamberger Raum eine Monopolstellung bei der Ziegelsteinherstellung einnahm. November 1885 rief er die „Erste Bamberger Exportbierbrauerei Frankenbräu“ a
ls Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 1 100 000 Mark ins Leben, die von Anfang an als Großbrauerei konzipiert war und für den Export braute. Bereits 1887 lässt sich – neben einer eigenen hohen Malzproduktion – ein Ausstoß von 50 000 hl Bier verzeichnen, was einem Drittel des Gesamtausstoßes aller 39 Brauereien, die es im Jahr 1887 in Bamberg gab, entsprach.
1888 wurden Biere der Frankenbräu auf der Weltausstellung in Brüssel prämiert, was das exportorientierte Unternehmen weiter beflügelte und zu kontinuierlichem Wachstum und einer Steigerung des Verkaufs beitrug. 1894 beschäftigte die Brauerei 44 Mitarbeiter. Die Umfirmierung der Frankenbräu in den bis zu ihrer Liquidation 1977 bestehenden Namen „Hofbräu“ und die Eintragung dieses Namens in das Gesellschaftsregister erfolgte am 14. Februar 1900.
1901 wurde der „Hofbräu“-Name nach der Geburt von Prinz Luitpold am 8. Mai 1901 in der Neuen Residenz in Bamberg bestätigt. Allerdings handelt es sich beim Namen „Hofbräu“ wohl nicht um ein echtes Hoflieferantenprädikat im Sinne eines „Königlich bayerischen Hoflieferanten“, sondern lediglich um eine Umbenennung des ursprünglichen Firmennamens. Verglichen mit allen anderen Bamberger Brauereien der Zeit, die – wenn überhaupt – lediglich auf einen lokalen Absatzmarkt ausgerichtet waren, war die Frankenbräu international ausgerichtet und dabei sehr erfolgreich. Sie unterhielt zwei feste Schankstätten in Berlin und hatte Agenturen in New York und Chicago. Möglicherweise wurde damals in Abgrenzung zur bereits 1520 gegründeten „Frankenbräu“ in Mitwitz bei Kronach mit einem großen Absatzgebiet v.a. in die Herzogtümer Sachsen-Coburg und Gotha sowie nach Thüringen ein neuer Name gesucht. Ebenso gab es mindestens eine weitere Brauerei namens „Frankenbräu“ in Riedbach. Bei einem internationalen Absatzmarkt dürfte evtl. auch der Name „Hofbräu“ eingängiger gewesen sein. Dass just zu der Zeit Kronprinz Rupprecht in der Neuen Residenz in Bamberg weilte und Gefallen am Bier der Hofbräu/Frankenbräu gefunden haben soll, passte da natürlich hervorragend ins Bild. Man kann sich gut vorstellen, dass die Hofbräu – ohne Titel – an den königlichen Hof in Bamberg geliefert hat, denn keine Bamberger Brauerei hatte einen vergleichbar hohen Hygienestand. Im Jahre 1906 wurde die Umbenennung noch einmal gerichtlich bestätigt , wohl aus Streit um den Namen, denn die Bamberger Klosterbräu im Besitz der Familie Braun sah sich in der Tradition des ehemaligen fürstbischöflichen Braunbierbrauhauses als Hoflieferant, ebenfalls als „Hofbräu“. Seit der Fusion mit Hofbräu Erlangen im Jahr 1919 firmierte das Unternehmen als „Hofbräu AG Bamberg und Erlangen“. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde eine offensive Geschäftspolitik unter dem neuen Generaldirektor Inganz Nacher auf dem heimischen Markt umgesetzt, indem konkurrierende kleinere Brauereien aufgekauft und stillgelegt wurden. Dies führte dazu, dass sich in der Zwischenkriegszeit das Unternehmen zu einer der größten Brauereien Nordbayerns mit 500 Mitarbeitern, 250 davon in Bamberg, entwickelte. Der Ausstoß stieg bis auf 280.000 hl jährlich. Trotz der vielfältigen und langen Bamberger Tradition dürfte es im ausgehenden 19. Jahrhundert insbesondere die „Hofbräu“ gewesen sein, die den Namen Bambergs als Bierstadt national wie international bekannt gemacht hat. Nach einigen Besitzerwechseln wurde die Bamberger Hofbräu AG 1977 geschlossen. 1982 wurden die gründerzeitlichen Backsteingebäude abgerissen. Es enstand der Neubau der AOK und ein Wohngebiet. Seit 2006 hält Weyermann® Malz die Rechte am Namen "Bamberger Hofbräu®" und revitalisiert den traditionsreichen Namen mit dem Brauen der Biere nach original Rezepten.