09/05/2026
⚠️Achtung ⚠️
Wir haben zu keinem Zeitpunkt ohne tierärztliche Begleitung gehandelt.
Es sind Bilder von Wunden zu sehen. ⚠️
„Scheiße!“
Das war unser erster Gedanke am 11. Februar diesen Jahres.
Silis 39. hängt in der Futterraufe fest.
Sofort beginnen wir mit der Bergung, um ihr zu helfen. Ihr Allgemeinzustand wirkt gut – aber die Bergung ist alles andere als einfach. Silis steckt tief in der Raufe fest, dazu macht uns die Witterung schwer zu schaffen. Seit Tagen kämpfen wir mit starkem Ostwind und Schneefall.
Mit Hilfe unserer Treckerschaufel und Gurten gelingt es uns schließlich, Silis zu bergen und zu uns an den Hof in den Stall zu bringen.
Der Tierarzt kommt.
Er macht uns kaum Hoffnung.
Was tun wir?
Silis ist wach und aufmerksam. Ihr Lebenswille ist für uns alle deutlich spürbar. Wir entscheiden uns, ihr eine Chance zu geben. Sie bekommt hochdosiert Cortison direkt ins Rückenmark sowie Schmerzmittel.
Wir betten Silis auf einer dicken Lage Stroh.
Alle zwei Stunden – auch nachts – stehen wir auf, um sie umzulagern. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Der Muskelabbau schreitet bei solchen Verletzungen extrem schnell voran und entscheidet oft über Leben und Tod.
Die Witterung macht alles noch schwerer.
Nachts decken wir Silis mit Decken zu, damit sie trotz der bis zu -10 Grad und kaum Bewegung ihre Körpertemperatur halten kann.
Viele unserer Familienaktivitäten verlagern sich in diesen Tagen in den Stall. Bei Kaffee und Kuchen sitzen wir bei Silis, erzählen den Kindern Geschichten und leisten ihr Gesellschaft. Eine 24-Stunden-Kameraüberwachung hilft uns dabei, ihre Bewegungen zu beobachten. Immer wieder versucht sie aufzustehen. Immer wieder scheitert sie.
Nach fünf Tagen sind wir am Limit. Wenig Schlaf, die ständige Sorge und die Frage, ob wir richtig handeln, begleiten uns Tag und Nacht.
Dann kommt der entscheidende Hinweis von Züchterfreunden:
„Bringt sie doch in die Tierklinik nach Hannover.“
Es ist Sonntagmittag. Wir rufen in der Klinik an. Der diensthabende Arzt möchte Videos von Silis sehen. Wir schicken sie per Mail. Kurz darauf ruft er zurück:
Die Klinik sieht eine Chance.
Wir sollen sie bringen.
Wir bereiten den Transport vor. Drei Erwachsene sind nötig, um den damals elf Monate alten Absetzer auf den Viehtransporter zu verladen, denn Silis kann nicht laufen.
Wir machen uns auf den Weg nach Hannover.
In der Klinik wird Silis sofort aufgenommen und untersucht. Danach fahren wir wieder nach Hause, ohne Silis, aber mit großer Hoffnung, sie irgendwann wieder abholen zu dürfen.
Von da an stehen wir regelmäßig telefonisch mit der Klinik in Kontakt. Es steht nicht gut um Silis. Ihre Verletzungen sind lebensbedrohlich. Durch die Quetschungen haben sich an beiden Keulen etwa 30 Zentimeter lange und bis zu 10 Zentimeter tiefe Wunden gebildet. Die Nekrosen eitern stark.
Doch auch die Ärzte erzählen uns immer wieder, wie beeindruckt sie von ihrem Lebenswillen sind. Silis frisst die ganze Zeit normal. Selbst die Tierärzte sind davon beeindruckt.
Anfang März meldet sich eine behandelnde Ärztin bei uns. Sie erklärt, dass bald eine Verbesserung eintreten müsse, da der Muskelschwund sonst zu stark werde. Wenn sich ihr Zustand nicht innerhalb weniger Tage verbessert, wäre es besser, Silis gehen zu lassen.
Wir vereinbaren eine Frist von sieben Tagen.
Dieser Moment trifft uns. Unsere Hoffnung war so groß, dass Silis wieder gesund wird. Gleichzeitig wissen wir, wie schwer ihre Verletzungen wirklich sind. Immer wieder fragen wir uns: War der Weg, den wir mit ihr gegangen sind, wirklich der richtige?
Plötzlich, ganz unerwartet am nächsten Tag kommt der Anruf aus der Klinik in Hannover:
„Silis steht.“
Damit haben wir, nach dem Anruf vom Tag zuvor, nicht mehr gerechnet. Die Freude ist riesig. Es ist ein Wunder.
Von da an beginnt für Silis das Training in der Klinik Hannover. Schritt für Schritt wird sie dabei unterstützt, wieder selbstständig aufzustehen und zu laufen. Jeden Tag geht es ein kleines Stück voran. Ihre Wunden heilen.
Heute – 82 Tage später – haben wir Silis wieder nach Hause geholt.
Sie darf nun wieder auf der Weide grasen.
Wir sind unendlich dankbar für den Ausgang dieser Geschichte und hoffen, dass Silis eines Tages wieder vollständig gesund wird.
Und dafür hat sie alle Zeit der Welt.
Danke an Highland Cattle vom Zacherhof, Highland Cattle vom Prangshof, Highland Cattle vom Sunderberg für eure Hilfe, Tipps und Ratschläge.
Danke an die Tiho Hannover Rinderklinik ❤️