09/07/2026
GLISS GenussTicker - Gesundheit. Ernährung. Zucker
Zuckersteuer in UK: 47.000 Tonnen weniger Zucker pro Jahr in Softdrinks, weil die Hersteller ihre Rezepte ändern mussten, statt freiwillig zu handeln. Kann ein guter Blueprint für Deutschland sein – wenn die Steuer-Einnahmen diesmalzweckgebunden bleiben bei Kindern & Jugendlichen beispielsweise und nicht im großen Steuersäckel versanden.
Mehr als 300 Unternehmen der deutschen Getränkewirtschaft haben sich in einem gemeinsamen offenen Brief gegen die von Bundesregierung und Bundestag geplante Einführung eine Zuckersteuer bzw. -abgabe auf Getränke ausgesprochen.
Wir bei Voelkel sagen dagegen „Zuckersteuer, ja bitte!“. In der aktuellen Ausgabe der Getränke Zeitung erklärt Jurek Voelkel, Geschäftsführer Vertrieb & Marketing, in einem Kommentar die Hintergründe. Die ebenso lesenswerte Contra-Argumentation übernimmt Reuss Heinrich, Präsident des VdF.
Hier kommt der - wegen der Zeichenbegrenzung - gekürzte Kommentar von Jurek.
„Zuckersteuer? Ja, bitte! Diese Aussage mag für einen Bio-Getränkehersteller, der auch Limonaden produziert, ungewöhnlich klingen. Für uns drei Brüder in der Geschäftsführung ist sie jedoch strategisch wie persönlich richtig. Wir leiten nicht nur ein Unternehmen, sondern sind auch Väter von bald neun Kindern. Für uns steht fest: Zucker ist ungesund, macht süchtig und verursacht gesellschaftliche Folgekosten in Milliardenhöhe.
Viele derzeit von Influencer*innen beworbene Drinks sind nichts anderes als grelle Cocktails aus Farbstoffen, künstlichen Aromen, Zucker, Konservierungsmitteln und Wasser, die Kinder und Jugendliche gezielt ansprechen und deren Geschmacksvorlieben prägen. Es ist scheinheilig, hier auf Selbstbeschränkung zu hoffen oder eine Debatte über "Bevormundung" zu führen. Denn die Entscheidung über ein Getränk fällt oft nicht zuhause, sondern auf dem Schulhof, wo Gruppendruck stärker wirkt als elterliche Vernunft.
Als Gesellschaft haben wir die Verpflichtung, regulierend einzugreifen. Aufklärung ist wichtig, doch es braucht einen größeren Hebel als den Appell an individuelle Einsicht. Zucker und Zuckerersatzstoffe kaschieren schlechte Produktqualität – ein Wettbewerbsvorteil, der die falschen Anreize setzt und die Entwicklung natürlicher Produkte erschwert. Obwohl gerade diese für eine nachhaltige Ernährungswende entscheidend wären.
Unsere Bio-Limonaden enthalten weniger Zucker, keine künstlichen Aromen und keine Farbstoffe. Um geschmacklich zu bestehen, setzen wir auf hochwertige Fruchtsäfte statt auf den Chemiebaukasten. Eine Zuckersteuer würde diese Benachteiligung zumindest teilweise ausgleichen und zugleich eine wichtige Diskussion über die Folgekosten ungesunder Ernährung anstoßen. Denn es muss nicht nur um "weniger Zucker", sondern auch um "weniger Chemie" und "mehr Natur" gehen. Eine solche Regulierung wäre ein Signal, dass Qualität und Natürlichkeit wieder stärker zählen sollen.
Die Lebensmittelindustrie sollte nicht den Fehler der Autoindustrie wiederholen: Wer den Wandel ignoriert, gefährdet seine Zukunft. Wir haben daher nicht mit Jurist*innen, sondern mit unserer Produktentwicklung gesprochen. Das Ergebnis: gesunde Durstlöscher wie unser RAW Wasserkefir mit 2,7 g Zucker oder unsere Kombucha-Range mit zweistelligen Wachstumsraten. Für uns ist klar: Zucker ist leere Energie. Die Zukunft gehört alternativen Energien.“