28/04/2026
Dieser Google-Bewertung möchte ich heute noch einmal ausführlich Stellung nehmen.
Vor einiger Zeit habe ich hier bereits über eine Google-Bewertung eines Gastes geschrieben.
Die Mitteilung von Google über diese Bewertung erhielt ich bereits am 13. Februar, also vor mehr als zweieinhalb Monaten. Trotzdem ist mir diese Bewertung bis heute nicht aus dem Kopf gegangen.
Beim ersten Mal habe ich den Text hier auf Facebook eher so vorgestellt, dass sich jeder Leser selbst ein Urteil bilden konnte. Ich wollte damals nicht sofort ausführlich darauf antworten.
Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir:
Diese Kritik betrifft nicht nur einzelne Formulierungen auf meiner Speisekarte. Sie richtet sich gegen etwas, das zum grundlegenden Konzept meines Geschäfts gehört.
Mein Geschäft wurde im Jahr 2001 eröffnet und geht nun auf sein 25-jähriges Bestehen zu. Gerade deshalb möchte ich zu dieser Kritik jetzt klar Stellung nehmen.
Was dort kritisiert wird, sind für mich keine nebensächlichen Kleinigkeiten. Es sind Teile der Haltung, mit der ich dieses Geschäft seit fast 25 Jahren führe.
Deshalb möchte ich diesmal nicht schweigen und es auch nicht nur dem Urteil der Leser überlassen.
Ich möchte deutlich widersprechen und hier klar erklären, wofür mein Geschäft steht.
In Frankfurt gibt es viele Restaurants, in denen man Sushi essen kann.
Wer günstig, schnell und möglichst viel Sushi essen möchte, oder wer Sushi einfach als eine Art asiatisches Fast Food versteht, hat viele andere Möglichkeiten.
Wenn man jedoch bei mir Sushi isst, dann wünsche ich mir, dass man zumindest ein Mindestmaß an Verständnis für das mitbringt, was ich in meinem Geschäft wichtig finde.
Ich bereite jeden Morgen sehr früh die Brühe für meine Misosuppe aus Kombu und Katsuobushi zu.
Diese Brühe ist für mich nicht irgendeine Beilage. Sie ist eine Grundlage der japanischen Küche.
Deshalb möchte ich ausdrücklich sagen:
In meine Misosuppe soll keine Sojasauce gegeben werden — weder vor dem Essen noch während des Essens.
Wenn eine Misosuppe serviert wird und jemand sofort, ohne sie überhaupt zu probieren, Sojasauce hineingibt, ist das für mich nicht akzeptabel.
Auch während des Essens Sojasauce in die Misosuppe zu geben, ist für mich kein gutes Verhalten.
Für mich ist das vergleichbar damit, als würde man in einem guten Restaurant eine sorgfältig gekochte Consommé serviert bekommen und sofort, noch bevor man sie probiert hat, Salz und Pfeffer hineinschütten.
Ich empfinde das als mangelnden Respekt gegenüber dem, was gekocht wurde.
Auch Tee gehört bei mir zum Menü.
Zu meinem Sushi-Menü gehören zwei verschiedene Tees von Kyoto Ippodo:
während des Essens grüner Tee, und nach dem Essen, zusammen mit dem Nachtisch, ein gerösteter grüner Tee.
Das ist für mich nicht einfach ein Getränkeservice, sondern ein Teil des Ablaufs des Essens.
Auch beim Umgang mit Sojasauce habe ich eine klare Haltung.
Auf jedem Tisch stehen Sojasaucenflaschen. Man kann sich jederzeit ein wenig nachnehmen.
Es gibt also keinen Grund, den kleinen Sojasaucen-Teller von Anfang an mit Sojasauce zu füllen, als wäre es ein kleines Meer.
Wenn nach dem Essen viel Sojasauce im Teller übrig bleibt, empfinde ich das nicht als gute Tischkultur.
Als ich ein Kind war, ging ich manchmal mit meinem Vater in ein Sushi-Restaurant.
Wenn am Ende Sojasauce übrig blieb, nahm mein Vater ein Stück Maki, saugte damit die restliche Sojasauce auf und sagte zu mir:
„Kinya, iss das. Man verschwendet keine Lebensmittel.“
Als Kind dachte ich manchmal: „Das ist mir zu salzig.“
Aber durch solche kleinen Erlebnisse in der Familie habe ich gelernt, Lebensmittel und Gewürze nicht achtlos zu verschwenden und dem Essen mit Respekt zu begegnen.
Diese Haltung ist bis heute ein Teil meines Geschäfts.
Natürlich hat jeder Gast das Recht, ein Restaurant frei zu wählen.
Wenn jemand mein Geschäft nicht mag, kann er selbstverständlich ein anderes Restaurant wählen.
Aber ebenso hat auch ein Geschäft das Recht, die Gäste zu schätzen, die seine Haltung verstehen und respektieren.
Mein Geschäft ist nicht für alle Menschen gemacht.
Ich betreibe kein Restaurant, das nur auf billig, schnell, viel und bequem ausgerichtet ist.
Ich möchte in Frankfurt, so gut ich kann, einen kleinen Teil der japanischen Esskultur ehrlich weitergeben.
Wer meine Erklärungen als lästig, als Bevormundung oder als Sparsamkeits-Anweisung versteht, für den ist mein Geschäft wahrscheinlich nicht der richtige Ort.
Solche Gäste bitte ich, ein anderes Restaurant zu wählen.
In Frankfurt gibt es genug Sushi-Restaurants.
Ich bin dankbar für die Gäste, die meine Küche, meine Brühe, meinen Tee, mein Sushi und meine Haltung verstehen und respektieren.
Ich muss nicht jedem gefallen.
Aber in meinem Geschäft möchte ich, dass der japanischen Esskultur, dem Essen und der Arbeit dahinter mit Respekt begegnet wird.