26/05/2026
Manchmal kennt man den Mann hinter der Flasche. Michel Reick, der Macher von Best Dram, ist mir schon seit vielen Jahren bekannt – damals noch als Betreiber des RockCafe in Münster. Dass aus ihm irgendwann Deutschlands umtriebigster unabhängiger Abfüller Deutschlands wird, hätte ich damals nicht unbedingt vorhergesagt.
Sein neustes Werk: ein 13 Jahre alter Aberlour, destilliert September 2012, die gesamte Reigezeit in einem First Fill PX Sherry Hogshead. 55,8% Fassstärke, ungefärbt, unkälteflitriert. Klingt trocken, ist es aber kein bisschen.
Nase: Das PX-Fass macht keine halben Sachen. Sofort dunkle, schwere Sherryaromen – Rosinen, Trockenpflaumen, ein Hauch Sultaninen. Dazu Schokostreusel, geröstete Maronen und diese warme, satte Süße, die man nur aus wirklich guten Sherryfässern kennt. Kein aggressives Holz, kein störender Schwefel – einfach rundes, tiefes Aromenspiel. Wer hier an ein a'bunadh erinnert wird, liegt gar nicht so falsch. Ist er genau für? Nicht ganz. Er ist kräftiger, nicht ganz so samtig.
Geschmack: Vollmundig, die 55,8% drücken ordentlich . Der PX bringt eine sirupartige Traubensüße. Dazu reife eingelegte Pflaumen, Zartbitterschokolade und im Hintergrund ein Anflug von Wein – Zimt, etwas Nelke. Mit ein paar Tropfen Wasser öffnet er sich nochmal und zeigt mehr von der fruchtigen Seite: rote Beeren, Brombeere, ein Tick grünes Unterholz.
Abgang: Lang, wärmend, dunkel-fruchtig. Die Rosinensüße bleibt, begleitet von schokolade und einer dezenten Würze. Kein abruptes Ende – der verabschiedet sich in Ruhe.
Fazit: Aberlour und PX-Sherry ist eine Kombination, bei der eigentlich wenig schiefgehen kann – aber das hier geht über „solide" hinaus. Für knapp 90€ bekommt man einen 13-jährigen First Fill Single Cask in Fassstärke, der genau das hält, was er verspricht: tief, dunkel, üppig. Wer Sherry-Whiskys mag, greift zu.