26/01/2026
Gestern mussten wir Abschied nehmen von einem Urgestein unseres Schulbetriebes - Manfred.
Den kleinen Wallach (ohne Rassebezeichnung, vermutlich Konik, Dülmener oder sogar Tarpan)
habe ich zusammen mit dem Hof (2013) übernommen. Das heißt, Manfred begleitete mich von Anfang an. Verkauft wurde er mir mit den Worten, dass er bisher im Schulbetrieb nichts getaugt hatte, geschweige denn wirklich als Schulpferd eingesetzt werden konnte, weil er wohl recht stur war.
Manfred war innerhalb kürzester Zeit ausgebildet, hatte vor nichts Angst, hat jeden Blödsinn mitgemacht und konnte in unserem Betrieb ohne Probleme eingesetzt werden. Natürlich hat er auch mal „einen gucken lassen“. Er konnte ordentlich buckeln, aber nur mit fortgeschrittenen Reitern, die auch mal mehr von ihm verlangt haben 😉 Ernsthaft runterfallen lassen hat er nie jemanden.
Manfred war für mich eine absolut sichere Bank im Einsatz mit den Kindern. Ob Ponyreiten,
Longenreitstunden, Abteilungsunterricht, Ausritte oder das ein oder andere kleine Cavaletti, Manfred hat immer mitgemacht. Er hatte den mit Abstand größten Sitzkomfort für den Reiter, sein Trab war wie von Wolken getragen zu werden und sein Galopp lief wie von alleine. Vor allem den kleinsten Reitschülern hat er so einen Einstieg ins Reiterleben gebracht, den sie wohl nie vergessen werden. Auch in der Bodenarbeit war der 140 cm große Wallach der zuverlässigste Partner. Niemals hat er gefragt ob er am Gras naschen darf, er hat immer auf seine kleinen Schützlinge, die ihn führten geachtet.
Manfred war so beliebt, dass er in den letzten beiden Jahren mit großem Abstand zum
Lieblingsschulpferd unseres Hofes gewählt wurde.
Auch mein eigenes Kind hat seine Reitanfänge auf Manfred gestartet, das erste Mal frei reiten,
das erste mal ins Gelände gehen, Umzüge mitreiten… alles war mit Manfred möglich und die beiden hätten noch so viele Abenteuer vor sich gehabt.
Dieser kleine Mensch wird sich immer an dich erinnern und im Herzen tragen lieber Manfred.
Manfred hat mich aber auch vor Herausforderungen gestellt, denn ein Pony muss manchmal tun was ein Pony tun muss: durch Zäune krabbeln. Vor allem dann, wenn der Winterpelz so gut isoliert hat. Erschwerend hinzu kam dass Manfred lange Hengst war und auch Nachwuchs gezeugt hat. Dieses hengstige Verhalten hat er deutlich gezeigt und seine Meinung vertreten wenn es darum ging „seine Stuten“ zu beschützen, alternde schwache Pferde der Herde auszusortieren und zu vermöbeln oder Stunk mit den schweren Warmblütern zu suchen, weil sie ihm generell
nicht gepasst haben. Ich habe viel durch Manfred gelernt, vor allem was es heißt, innerhalb von Sekunden sein Management in der Haltung anzupassen, oder wie ich mich Weihnachten, auf dem Weg zur Familie und tatsächlich mal ordentlich gekleidet am sinnigsten durch den Matsch schlage, um ihn auf der Nachbarweide zu sichern (weil er seine eigene verlassen hat)…bis Hilfe
naht die ihn von dort einsammelt.
Im Nachhinein Geschichten, die man sich mit einem Augenzwinkern und lächeln erzählt. Denn eins war er: ein Charakterpony!
Vor fast sieben Jahren wurden bei Manfred Plattenepithelkarzinome an Augenlid und
Schlauchtasche festgestellt. Das Auge ließ sich gut behandeln und eine kleine Operation ließ den
Tumor an dieser Stelle nicht wieder kommen. In der Schlauchtasche sah es leider anders aus.
Eine Operation war nicht möglich. Neben sämtlichen schulmedizinischen Versuchen, haben wir auch alles mögliche an alternativen Verfahren versucht. Den besten Erfolg erzielten wir jedoch damit, gut auf sein Immunsystem zu achten und dieses immer zu „füttern“.
Einige Jahre war relative Ruhe im Krebsgeschehen. Seit Sommer 2025 gab es eine unschöne Weiterentwicklung des Tumorgeschehens sodass wir, zusammen mit unserer Tierärztin, nur diesen Weg einschlagen konnten. Wir sind unfassbar traurig dass Manfred nicht für noch mehr Menschen
die erste große Pferdeliebe werden konnte.
Lieber Manfred, für mich wirst du immer das kleine freche Wildpony mit eigenem Kopf bleiben, das für seine Menschen alles getan hat. Ich und wir alle sind so dankbar dass du fast dein ganzes Leben mit und bei uns verbracht hast und unser eigenes Leben so bereichert hast. Du bist und bleibst die erste Pferdeliebe vieler kleiner Mädchen und Jungen, aber auch von Erwachsenen.
Wir und unsere Tierärzte haben alles dafür gegeben dass du ein möglichst langes und
schmerzfreies Leben führen kannst, auch die letzte Entscheidung haben wir mit Liebe getroffen.
Machs gut kleiner Freund.