23/06/2022
Rohmilch frisch gezapft – So gesund ist die unbehandelte Milch
Milchkanne, Milchflasche und Glas mit Milch
Der volle Geschmack von Kuhmilch weckt bei vielen Kindheitserinnerungen an Milchkännchen und Milchbärtchen. Mittlerweile erfreut sich die unbehandelte Rohmilch wieder an Beliebtheit. Wir erklären Ihnen, wo der Unterschied zwischen Rohmilch, Frischmilch und H-Milch liegt und weshalb Rohmilch als gesund gilt.
Immer mehr ernährungsbewusste Menschen entscheiden sich gegen die Supermarktvarianten und holen ihre Milch bei Bauernhöfen mit Direktvertrieb am Milchautomaten. Rohmilch soll außerdem bei Kindern das Risiko für Allergien senken und für Menschen mit Laktoseintoleranz besser verträglich sein.
Voller Nährstoffgehalt in Rohmilch
Milch enthält eine Vielzahl an Nährstoffen, die wichtig für unsere Gesundheit sind. Sie liefert unter anderem Aminosäuren für den Muskelaufbau, Vitamin B12 für eine gute Funktionsfähigkeit von Nerven und Gehirn, Vitamin C und Omega-3-Fettsäuren für das Immunsystem, Folsäure für die Zellregeneration und Kalzium, das Blut, Herz, Knochen und Muskeln fit hält.
Die Naturbelassenheit der Rohmilch ist ihr besonderes Merkmal, das sie von anderen Kuhmilchsorten unterscheidet. Da die frische Milch direkt nach dem Melken ohne Wärmebehandlung in den Verkauf kommt, bleiben alle wertvollen Nährstoffe und Aromen vollständig erhalten.
Je stärker die Milch erhitzt wird, desto mehr Inhaltsstoffe gehen verloren
Das Abkochen hat jedoch einen Nachteil: Je heißer und länger die Milch erwärmt wird, desto mehr Nährstoffe gehen dabei verloren: Bei der Pasteurisierung werden Frischmilch und ESL-Milch bei ca. 75°C bzw. 120°C und sind dadurch 7–14 Tage im Kühlschrank haltbar. Die gesunden Nährstoffe werden dabei weitestgehend geschont, sodass diese Milch immer noch etwa 90–95% des Vitamingehalts von Rohmilch aufweisen.
Unschlagbar in ihrer Haltbarkeit ist die H-Milch: Sie wird für 1-2 Sekunden auf 135-150°C ultrahocherhitzt und hält sich dadurch bei Zimmertemperatur für etwa sechs Monate. Das Verfahren tötet alle vermehrungsfähigen Keime und Bakterien ab und macht die Milch damit quasi keimfrei. Doch die lange Haltbarkeit hat einen Haken: Während der Ultrahocherhitzung bleiben zwar fettlösliche Vitamine und Kalzium erhalten, aber die Konzentration der hitzeempfindlichen Vitamine B12 und Folsäure sinkt. In der Vorratskammer ist die haltbare Milch ein erfreulicher Bonus, doch sollte man bedenken, dass sich über die Lagerzeit immer mehr Vitamine zersetzen.
Da die Rohmilch direkt nach dem Melken in den Milchautomaten kommt, hat sie den vollen Nährstoffgehalt, ist aber lediglich 2–4 Tage im Kühlschrank haltbar. Verlassen Sie sich daher auf Ihre Nase. Riecht die Milch sauer, ist sie nicht mehr zum Verzehr geeignet.
Erhitzen und Entrahmen verändert den Geschmack
Auch im Geschmack liegt der Unterschied: Im Gegensatz zur Rohmilch verfügen die wärmebehandelten Sorten nicht über den reichhaltigen Geschmack, der leicht an Heu erinnert. Da haltbare Milch bei weit über 100°C abgekocht wird, denaturiert das Milcheiweiß, das für den vollen, süßlichen Geschmack verantwortlich ist. Teils bleibt ein leichter Kochgeschmack zurück, der sich erst über längere Lagerung verflüchtigt. Bei fettarmer Milch gehen durch das Entrahmen weitere Aromen verloren.