Brauerei Mittenwald 1808 bis 2008 - 200 Jahre Brauereigeschichte
(in English see below)
Im Jahre 1808 erhalten gemäß allerhöchstem Reskript vom 2. August Herr Johann Jochner, Handelsmann und Herr Thomas Knilling, Postexpeditor und Wirt zu Mittenwald laut Konzessions-Urkunde die Erlaubnis, Bier herzustellen. Die damaligen Kriegswirren – Bayern und Franzosen kämpften gegen Tirol – verhindern d
en sofortigen Bau einer Brauerei und erst 1820 kann der Schwiegersohn von Thomas Knilling, Herr Anton Reindl, den Bau – das heutige Rückgebäude vom "Hotel Post" – fertig stellen. Um auch im Sommer Bier brauen zu können baute man so genannte "Märzen"- oder "Sommerkeller" an den "Kofelhängen" (1835) gegenüber dem heutigen Tonholzsägewerk Kreuzer und am Fuße des "Burgbergs" (1840), heute Innsbruckerstr. 40. Große Blöcke Natureis wurden im Winter aus den eigenen Gewässern Lautersee und Schmalensee herausgeschnitten und in diesen Kellern gebunkert. Damit konnte die Brausaison verlängert werden, bis das Eis im Sommer geschmolzen war. Rosa, die Gattin des damaligen Brauereibesitzers Anton Reindl überlebt ihren Mann und die Kinder und übergibt ihren ganzen Besitz dem Sohn ihres Schwagers, Herrn Johann Baptist Neuner
(gest. 1903). Januar 1864, ist die Brauerei im Familienbesitz. Ein Großfeuer zerstört am 30. September 1891 das Brauereigebäude. Die Brauerei verlegt man vorübergehend in den Burgberg-Keller, heute noch altes Brauhaus genannt. 1892 wird außerhalb des Ortes, praktisch auf der "grünen Wiese" auf einem über 20.000 qm großen Areal an der Innsbrucker Straße mit dem Bau der neuen Bierkeller und ab 1898 dem Brauereigebäude begonnen. Die gesamten Baustoffe, Maschinen und Geräte werden mit Pferdefuhrwerken von Partenkirchen nach Mittenwald gebracht. Mit dem ersten Sud am 8. April 1903 wird die Brauerei eingeweiht. Zur Wasserversorgung wird die seit 1830 bestehende Holzrohrleitung 1898 neu gefasst und eine Gussrohrleitung von der "Stell" am Lautersee zur neu errichteten Brauerei gebaut. Mit einer Länge von 1.750 m und einem Höhenunterschied von 110 m, verlegt durch das schluchtähnliche Gelände des Laintals, bedeutet dies eine zur damaligen Zeit technische Meisterleistung. Neben der Versorgung von Brau- und Brauchwasser wird auch eine sechs PS starke Turbine betrieben, welche mittels Transmission die Brauereimaschinen antreibt und bei Nacht mit einem Aggregat die Batterien für die Stromversorgung speist. 1946 bis 1950 erfolgt die Umstellung von Gleichstrom auf Drehstrom und damit auf Fremdstrom. Bis 1900 reichen zur Kühlung die oben erwähnten Felsenkeller aus. Im neuen Brauereigebäude wird ein zusätzlicher Eiskeller mit 1.200 cbm Inhalt eingebaut. Ab 1935 dient zur Kühlung ein Linde Ammoniak-Kompressor mit Dieselmotor, seit 1964 tun dies zwei Fremdstromkompressoren mit einer Leistung von 10.000 bzw. 30.000 Kcal. Der Wärmebedarf wird bis 1921 ausschließlich durch Holzfeuerung gedeckt. Dann kommt oberbayrische Kohle hinzu. Ab 1965 wird der gesamte Energiebedarf mit Leichtöl, seit 1992 der Umwelt zuliebe mit Erdgas abgedeckt. Aus Gründen der Energieeinsparung wird 1978 das große Kühlschiff mit Beriesler durch einen Plattenkühler ersetzt welcher mittels Wärmerückgewinnung heute den gesamten Warmwasserbedarf der Brauerei deckt. Bei der Auswahl der Rohstoffe setzt man schon immer auf höchste Qualität aus heimischen Regionen. Bis zur Still-Legung der eigenen Mälzerei im Jahre 1963 kam die Gerste aus dem Münchner Raum. Verwendet werden seit jeher nur die edelsten Hopfensorten aus der Hallertau und das Malz bezieht man heute von Handelsmälzereien aus dem oberbayrischen Raum.
1929 beginnt man mit der alkoholfreien Getränkeherstellung. Dem Geschmack der Zeit entsprechend wird neben den klassischen Limonaden seit 2007 auch Tafelwasser in Flaschen und Fässern abgefüllt.
1960 wird mit der Übernahme der damaligen Weinkellerei J. Karg eine Ausweitung des Sortiments auch auf Wein. Spirituosen und Sekt erreicht. Heute konzentriert man sich hauptsächlich auf Südtiroler Weine und ist unter anderem seit 1985 Lieferant für den "Bozner Markt", jener berühmten Marktwoche, die alle fünf Jahre Tausende Besucher in Ihren Bann zieht. In zwei eigenen Getränkefachmärkten in Mittenwald und Krün wird das Isartal mit einem qualitativ hochwertigen Vollsortiment in durchweg umweltfreundlichen Mehrweggebinden versorgt. Die Bierlieferung erfolgt bis 1934 ausschließlich durch Pferde- und Ochsenfuhrwerke. Das letzte Pferd hat 1965 den Brauereistall verlassen. Der erste Lastwagen, ein Hansa-Lloyd wird 1935 in Betrieb genommen. Heute verfügt man über einen modernen Fuhrpark mit dem die heimische Gastronomie und im Heimdienst der Haushalt direkt beliefert werden. Auch die Versorgung der zahlreichen Hütten in der Alpenwelt Karwendel, und im Zugspitz- und Wettersteingebirge erfolgt mit dafür geeigneten Fahrzeugen. Um den ständig wachsenden Qualitätsanforderungen gerecht zu werden wird 1981 die Fassabfüllung von Aluminium- auf KEG – Edelstahlfassgebinde umgestellt. Außerdem werden 1994 eine moderne Filtrationsanlage und vier Edelstahl-Drucktanks (150 HL) der Firma Gresser eingebaut. Aus denselben Gründen musste 2005 die alte Flaschenabfüllanlage aus dem Jahre 1964 einem den heutigen Anforderungen genügenden Maschinenpark weichen. Der bauliche Aufwand in dem alten Gebäude (erster Ziegelbau Mittenwalds) war enorm und so wurde auch gleich eine neue CIP-Anlage zur vollautomatischen Reinigung der Leitungen und Tanks, ein neuer CO 2 Tank (6000 kg) und ein auf die neue Maschinenkapazität ausgelegter Niederdruck-Dampfkessel (Viessmann 460 KW / 700 kg/h) eingebaut. Eine neue Premix-Anlage für alkoholfreie Getränke und die Möglichkeit nun auch Flaschen mit Schraubverschluss abzufüllen komplettieren diesen letzten großen Umbau. Eigene Bierwirtschaften bildeten seit jeher ein solides Standbein für den Bierabsatz. Heute sind dies die Gasthäuser "Stern", "Gries" und "Postkeller" sowie das Bistro "Kutsche" und das "Wolpertinger-Museum".
1977 wird der Vertrieb auch auf das benachbarte Österreich ausgedehnt und dafür eine eigene Firma gegründet. Die Biere der Brauerei Mittenwald wurden über die Jahre hinweg ständig weiterentwickelt und verfeinert. Neue Bierspezialitäten wurden kreiert, die "altbewährten" durch entsprechende Brauverfahren dem aktuellen Geschmack angepasst. Dafür waren in all den Jahren neben den Inhabern folgende Braumeister verantwortlich:
Gamsmeier (1916 – 1923)
Fellner (1925 – 1931)
Egger (1931 – 1937)
Graf (1937 – 1942)
Deubler (1972)
Hartl (1972 – 2004)
Pommer (2004 – 2010)
Derzeit untersteht die Leitung der Bierproduktion Braumeister Dipl.- Ing. Markus Hirthammer. Um interessierten Besuchern die Geschichte des Brauwesens besser veranschaulichen zu können, wird 1986 eine kleine Sammlung eingerichtet, in dem anhand der alten Gerätschaften die Entwicklung der Brauerei Mittenwald verfolgt werden kann. The Mittenwald Brewery 1808 to 2008 - Bicentennial of the Brewery
It was August 2nd, 1808, when Mr. Johann Jochner, merchant and Mr. Thomas Knilling, post expeditor and inn-keeper in Mittenwald, received the authentically right to brew beer by highest decree. The war at that time – the Bavarians and French made war on the Tyroleans – stopped the immediate construction of a brewery. Not till 1820 Thomas Knilling's son-in-law, Mr. Anton Reindl, could finish the building, which is the rear part of the "Hotel Post" today. In order to brew beer in summer they built so called "Märzen"- or "Sommerkeller" (summer cellars) into the mountain "Kofelhängen" (1835), today vis à vis of the clay wood sawmill “Kreuzer” and at the food of the mountain "Burgberg" (1840). Today the building is situated at the "Innsbruckerstrasse" no. 40. In winter large blocks of ice were cut out of the frozen lakes "Lautersee" and "Schmalensee" and stored in the cellars. Thanks to this method the brewing season could be prolonged until the ice was melted in summer. Rosa, wife of the ancient brewery-owner Anton Reindl, survived her husband and their children and transferred all her possession to the son of her brother-in-law, Mr. Johann Baptist Neuner (+ 1903). Since January 9th, 1864, the brewery is family-owned. September 30th, 1891 a conflagration destroyed the brewery building. For a while they evacuated the beer-production into the "Burgberg"-cellar, nowadays still called "Old Brewery". In 1892 the owners started the construction of new beer cellars outside of the village on a more than 20.000 square metres large area located at the Innsbrucker street followed by a new brewery building in 1898. The complete building-material as well as the machines and the equipment was transported from Partenkirchen to Mittenwald by horse-carts. It was April 8th, 1903, when the brewery was inaugurated with the first brewing. To ensure the water supply the brewery renewed the wooden tubes existing since 1830 and built a cast-iron pipe from a place called "Stell" at the lake "Lautersee" to the new brewery building in 1898. Considering the pipe length of 1.750 m, the difference in altitude of 110 m, and the pipe relaying through the difficult terrain of the "Lain"-Valley looking similar as a gorge, is was a technical brilliant performance at that time. Besides of the supply with brewing and normal water they also used a six HP turbine to power the brewing machines by transmission and at night, feeding the batteries for the power supply by a generating unit. From 1946 to 1950 they changed the power supply from direct-current to purchased rotary current. Up to 1900 the above mentioned natural cellars were sufficient for cooling the beer. In the new brewery building they constructed an additional ice cellar with a capacity of 1.200 cubic metres. In 1935 the cooling process changed from natural ice to a Linde ammonia compressor with diesel-engine, and since 1964 two foreign current compressors run with a capacity of 10.000 respectively 30.000 kcal. Up to 1921 heat requirement was supplied by wood heating only, then additionally with coal from Upper Bavaria. In 1965 the whole power requirement was served by light fuel, since 1992 by natural gas due to ecological reasons. To save energy the large cold storage room equipped with drip cooler was replaced by a plate cooler which now supplies the whole warm water requirement of the brewery by waste heat recovery. Since the early beginnings raw materials of highest quality grown in the region were used for the beer production. Until the shutdown of the own malt-house in the year 1963 the barley came out of the Munich area. Only superior hops from the "Hallertau" are used for the production and the malt is bought from trading malt-houses in Upper Bavaria. The non-alcoholic beverage production started in 1929. Respecting the actual trend besides of the classic soft drinks the bottling of table water in kegs and bottles started in 2007. By taking-over of the former wine-cellar J. Karg in 1960 the range of products was extended by wine, spirits and champagne. Nowadays they concentrate on wines from Southern Tyrol; since 1985 the brewery supplies their specialities to the "Bozener Markt", the famous market week which bans thousands of visitors in the rhythm of five years. Two brewery-owned beverage markets in Mittenwald and Krün supply a high quality full product range in environmentally friendly deposit-bottles in the Isar valley. Until 1934 the beer was transported by horse- and ox-carts. The last brewery horse left the brewery stable in 1965. The first lorry, a Hansa-Lloyd, started up in 1935. Now the brewery owns a modern motor pool supplying the restaurants and the private households by home service. The numerous alpine huts in the mountains of Karwendel, Zugspitze and Wetterstein are supplied by suitable vehicles. To meet with the increasing demands the drum filling was changed from aluminium drums to stainless-steel kegs in 1981. A modern filtration plant and four stainless-steel pressure tanks (150 hl), built by the Gresser-company, followed in 1994. For same reasons the bottling plant from 1964 had to be replaced in 2005 by a stock of engines corresponding to demands of nowadays. The construction work in the old building (first brick building of Mittenwald) was enormous and therefore they decided to install a new CIP-installation for fully automatic cleaning of pipes. In addition the brewery installed a CO-2-tank (6,000 kg) as well as a low pressure boiler (Viessmann 460 KW / 700 kg/h) meeting the new machine capacity. This last structural alteration was completed by the installation of a new premix plant for soft drinks enabling also to fill bottles with screw-caps. Brewery-owned pubs had always been a solid basis for the beer sale. Nowadays the Mittenwald Brewery invites to its restaurants "Stern", "Gries" and "Postkeller" as well as the bistro "Kutsche" and the "Wolpertinger Museum". In 1977 the sales area expanded to Austria and a separate company for Austria was established. Over the years the beers of the Mittenwald Brewery were improved and refined. New beer specialities were created, the "well-proven" adapted to the actual taste by correspondent brewing techniques. Besides of the owners the following master brewers were in charge for the production:
Mr. Gamsmeier 1916 – 1923
Mr. Fellner 1925 – 1931
Mr. Egger 1931 – 1937
Mr. Graf 1937 – 1942
Mr. Deubler 1942 – 1972
Mr. Hartl 1972 – 2004
Mr. Pommer 2004 – 2010
Currently, our master brewer named Markus Hirthammer is responsible for the beer production. In 1986 a little collection of old machines, devices and pictures was opened to show the history of the brewery to interested visitors.