20/02/2026
Eine großartige Entdeckung im Zellertal
Klaus Gamber lernte ich vor über 20 Jahren kennen. Damals war er in einem renommierten Weingut in der Südpfalz beschäftigt. Zwischenzeitlich war er auch als Verkoster für einen Weinguide tätig. Heute lebt er am Bodensee und arbeitet freiberuflich unter anderem als Fotograf, insbesondere auch für viele Weingüter. Von ihm bekam ich Anfang des Jahres einen heißen Tipp. Die Weine von Kristof Puder aus dem Zellertal müsse ich unbedingt einmal verkosten. Obwohl ich Klaus als einen der besten Weinfachleute schätze, die ich kenne, war ich zunächst ein wenig skeptisch. Bisher hatte noch niemand über das Weingut berichtet, und die Bewertungen eines Online-Weinführers suggerierten, es handele sich um eher schlanke, nur begrenzt ausdrucksvolle Weine.
Von Kristof erhielt ich einige Flaschen zur Probe, vor allem Riesling. Nach dem ersten Schluck eines im Barrique ausgebauten 2013ers war ich überrascht, es dauerte allerdings eine Weile, bis ich wirklich alle Facetten dessen begriff, was ich hier im Glas hatte. Trotz lediglich 11,5 % Alkohol war genügend Substanz vorhanden, um das neue Holz vollständig und harmonisch einzubinden. Ein echtes Meisterwerk. Dass dieser Wein keine Eintagsfliege war, bewies Kristof mit einem 2020er, nicht im Barrique ausgebauten Riesling – und auch der knackte die 18-Punkte-Grenze. Ich fragte mich, ob ich der Autofahrer sei, der angesichts einer Geisterfahrer-Warnung im Radio „Einer? Hunderte!“ ausrief, weil ich hier eine Qualität erkannte, die sonst keiner sah oder die sogar an anderer Stelle negiert wurde.
Zugegeben, einfach zu verstehen sind die Weine nicht. Die Kalkböden des Zellertals und das dortige Mikroklima bringen selbst in Zeiten der globalen Erwärmung Cool-Climate-Rieslinge mit einer packenden, aber reifen Säurestruktur hervor, die wirken, als kämen sie aus einer völlig anderen Klimazone und nicht aus der weinrechtlich der Mittelhaardt zugeordneten Unterhaardt. Ich fühlte mich zurückversetzt in die Jahre, in denen ich begann, mich intensiver mit Wein auseinanderzusetzen. Das waren die frühen 1990er.
Am Freitag, den 13. (Februar 2026) traf ich mich mit Kristof und Klaus zu einem ausführlichen Gespräch und einer Online-Verkostung mit einer Dreiervertikalen von Rieslingen aus dem Barrique. Die Jahrgänge: 2012, 2013 und 2020. Rund zwei Stunden waren für den Termin angesetzt, am Ende wurden es fast fünf. Dabei überragte der 2012 fast alles, was ich bislang überhaupt an trockenen Rieslingen und speziell aus jenem Jahrgang kennengelernt hatte. Das war das blanke Terroir. Ich schrieb meine Punktzahl auf ein Blatt Papier und fragte Klaus nach seiner Bewertung. Diese war mit meiner identisch. Nach einer Weile einigten wir uns darauf, noch einen halben Punkt nach oben zu gehen. Am Ende standen 19,5 von 20 Punkten auf dem Zettel.
Die Essenz unseres Gesprächs wird demnächst bei weinfreaks.de erscheinen. Ich darf schon einmal verraten: Es wird ein sehr interessantes, tiefgründiges Gespräch über das einzigartige Terroir des Zellertals, die großartigen Weine von Kristof Puder sowie die Weinwelt im Allgemeinen und im Besonderen.
Das Foto zeigt den (nicht im Barrique ausgebauten) trockenen 2020er Zeller Schwarzen Herrgott Riesling Alte Reben (9,- € ab Weingut, 18,5 von 20 Punkten).