10/04/2026
WEINKLANG in der Vinothek Northeim
Omid Bahadori & Arne Nickel
Gestern Abend in der Vinothek war einer dieser seltenen Momente, in denen man merkt, dass Musik mehr ist als Unterhaltung. Omid Bahadori und Arne Nickel haben keinen „Auftritt“ gespielt – sie haben einen Raum geöffnet.
Was sofort auffiel: diese völlige Selbstverständlichkeit, mit der beide Welten verbinden. Bahadori wechselt zwischen Gitarre, Rahmentrommel, Handpan und Kalimba, als gäbe es keine Grenzen zwischen den Instrumenten. Dazu seine Stimme – mal getragen, mal archaisch, dann wieder fast zärtlich – und diese beeindruckenden Ober- und Untertongesänge, die einem wirklich unter die Haut gehen. Das ist nichts, was man einfach nur hört, das spürt man körperlich.
Arne Nickel am Klavier ist dabei der perfekte Gegenpart. Kein klassischer Begleiter, sondern ein echter Dialogpartner. Er hört zu, reagiert, setzt Akzente – und plötzlich öffnet sich aus einem einfachen Motiv ein ganzes Klangbild. Mal schwebend und meditativ, dann wieder kraftvoll und überraschend rhythmisch. Dieses Zusammenspiel wirkt nie konstruiert, sondern passiert im Moment. Genau das macht den Abend so lebendig.
Besonders stark war diese Mischung aus Intimität und Energie. Es gab Passagen, die fast still standen, in denen man im Raum hätte eine Stecknadel fallen hören können. Und dann wieder diese eruptiven Momente – ein Hauch mongolischer Blues, ein iranischer Folksong, und plötzlich singt der ganze Raum. Ohne Aufforderung, ohne großes „Jetzt bitte alle“ – es passiert einfach. Und genau das ist vielleicht das Schönste: Wenn ein Publikum so selbstverständlich Teil der Musik wird.
Dieser kleine Ohrwurm „Ai wai wai wai“ wird sicher noch ein paar Tage bleiben – nicht nur, weil er eingängig ist, sondern weil er mit einem Gefühl verknüpft ist: Leichtigkeit, Nähe, Gemeinschaft.
Was von diesem Abend bleibt, ist mehr als schöne Musik. Es ist diese Erinnerung daran, wie wertvoll es ist, sich wirklich einzulassen. Hinzuhören. Offen zu sein für das, was im Moment entsteht. Gerade jetzt.
Und bei aller Begeisterung für die Künstler darf man eines nicht vergessen: Solche Abende fallen nicht vom Himmel. Die Zusammenarbeit mit der Initiative Kunst und Kultur e.V. Northeim – und ganz besonders das Engagement von Klaus Hoheisel – ist ein wesentlicher Grund, warum es diese Konzertreihe in dieser Qualität überhaupt gibt. Ohne diesen Einsatz wären viele dieser besonderen Weinklang-Momente schlicht nicht möglich.
Ein berührender, ehrlicher und sehr menschlicher Abend mit zwei außergewöhnlichen Musikern – und ein starkes Zeichen dafür, was entstehen kann, wenn Menschen mit Leidenschaft Kultur möglich machen.