15/05/2022
Vielen Dank an Christoph Hahn für diesen beeindruckenden Bericht. Schön, dass du da warst
Nik Weis, Thomas Haag, Philipp Wittmann – wer solche Großen zu Lehrern hatte, der muss im Umgang mit dem Riesling wohl ein Meister werden. Christoph Eifel aus Trittenheim an der Mosel geht es so: Die Verwandlung der Trauben aus den heimischen Lagen Altärchen und Apotheke geht ihm so gut von der Hand, dass ihn ein Online-Portal jüngst zur „Entdeckung des Jahres“ ausrief. „Mostly Mosel“ hat den jungen Winzer (Jahrgang 1991) in seinem Gut im Herzen von Trittenheim besucht und bei dieser Gelegenheit eine Reihe seiner Weine verkostet.
Eifel setzt in seinem Repertoire eindeutige Prioritäten, und darum verschwindet – von höherwertigem Stoff wie einer Spätlese von alten Reben einmal abgesehen – das Lesegut aus der Hang- und Flachlage Altärchen in den Guts- und Ortsweinen. Trockener Riesling bestimmt zwar nicht ausschließlich die Preisliste. Aber irgendwie ist er schon King und erinnert mit seiner Mischung aus Saftigkeit und Mineralität an ein Zitat des Ausbilders Nik Weis: „Ich mache keinen Riesling – ich mache Mosel.“ Möglichst 1:1 auf die Flasche zu bringen, was Natur und Boden in der Apotheke sowie im Dhroner Hofberg und im Piesporter Goldtröpfchen in der Traube zusammengebracht haben: Das ist das Ziel des Geisenheim-Absolventen in seinem Handwerk.
Dabei kann sich der Trittenheimer auf dem reichen Schatz an Erfahrungswissen verlassen, den seine Familie seit 1635 – so lange gibt es das Gut schon – angesammelt hat. Wobei er selbst das Ruder noch nicht so lange führt: Seit 1. Juli 2021 erst ist Christoph der Chef im Hause Eifel, dem allerdings seine Eltern nach wie vor in den alltäglichen Geschäften beistehen.
Zurück zur Riesling-basierten Trockenheit: „Das wollen wir auch schmecken“, postuliert Eifel und bekennt sich auch gleich zur vergärungstechnischen Sponti-Fraktion. Dann verwundert es auch nicht, dass dem Ganzen noch einen übergeordneten Leitgedanken mitgibt: „Wir sind ein naturnaher Betrieb.“ Aber letzten Endes zählt nur das, was auf die Flasche kommt, und darum gehen wir jetzt mal zur Verkostung über. Unsere Reise von trocken nach süß beginnt mit dem grundlegendsten aller Basisweine, dem 2021er Trittenheimer Riesling – so trocken, dass es knallt, und würzig, dass die müden Sinne ratzfatz aus ihrem Tiefschlaf hochschnellen. Nummer zwo namens „Schiefergestein Riesling“ („Stammt alles aus dem Neumagener Rosengärtchen“) bringt feine Kräuter ein, derweil die trockene Variante „aus dem Kernstück des Piesporter Goldtröpfchens, alles 60 bis 65 Jahre alte Reben“ diese Linie um das bei betagten Stöcken oft anzutreffende Cassis-Aroma bereichert.
Aber so wichtig Christoph Eifel gerade der trockene Teil seiner Rieslinge (da ist er ganz puristisch) auch ist – ein paar frucht- und edelsüße Gewächse stellt der Winzer dann doch noch auf den Tisch. Den beiden Kabinetten aus der Apotheke und dem Goldtröpfchen schmeckt man die Süße kaum an – sie erscheint in beiden Fälle gut in eine ziemliche pralle Frucht mit ebenso praller Säure integriert. Kabis mit integriertem Trinkfluss sozusagen. Die Spätlese von den alten Reben aus der Apotheke (steil und felsig muss sie sein) mit ihrer warmen, weichen Süße trinkt sich wie eine Beerenauslese und führt stimmig auf den Abschluss, einen Dreiklang aus Auslese, Beerenauslese und Eiswein (alles Apotheke, versteht sich) hinführt.
Denn mögen die Weine aus Hofberg, Rosengärtchen und Goldtröpfchen noch so kunstreich gewirkt sein: Die Trittenheimer Apotheke spielt bei Christoph Eifel die Hauptrolle. Die diversen Gegebenheit dieser beeindruckende Lage gegenüber dem Ort durchzudeklinieren: Darauf läuft es bei Christoph Eifel immer wieder zu und darin liegt auch seine Stärke.
Im Internet: www.weinguteifel.de