Seit neun Generationen betreibt die Familie Graf in Weyher Weinbau, seit drei Generationen gibt es das dazugehörige Weingut. Die „Grafen von Weyher“ sind ein reiner Familienbetrieb: Vater Otmar Graf und seine zwei Söhne Jürgen und Peter produzieren im Jahr rund 140.000 Flaschen Wein - und gehen gerne innovative Wege.
„Bei uns in der Pfalz ist Qualität der Standard. Man muss schon genau suchen, um
einen schlechten Wein zu trinken“, sagt Jürgen Graf. Deshalb spezialisieren sich die Winzer auf bestimmte Weinsorten oder gehen bei der Vermarktung neue Wege. Das gilt auch für die Familie Graf: Die Marke „Graf von Weyher“ gibt es erst seit 2012. Sie läuft parallel zur ursprünglichen Wein-Linie und wird stetig ausgebaut. „Wir wollten mit dem Namen zeigen, dass wir wissen, wo wir herkommen und dass wir uns mit unserer Heimat identifizieren“, so Graf. Ihre Heimat – Weyher – bietet der Familie beste Voraussetzungen für ihre Weine: Sechs verschiedene Bodenarten auf engstem Raum - seltener Schiefer, seltener Granitboden, Kalkmergel, Buntsandstein, Rotliegendes und Muschelkalk - bieten zahlreiche Möglichkeiten für die Winzer. Die Grafs bauen auf rund 16 Hektar Rebfläche auf allen sechs Lagen Wein an, auf vier davon Riesling, der im Zentrum der „Graf von Weyher“-Linie steht. „Die Sonnenscheinstunden und die Niederschlagsmenge passen sehr gut zur Rebsorte“, begründet Graf die Entscheidung. Auch die Vermarktung spielt für den Erfolg eines Weinguts und seiner Weinsorten eine immer größere Rolle. Prägnante, plakative Namen bleiben den Kunden im Gedächtnis und sorgen für Gesprächsstoff. Graf lacht: „Die Idee dazu ist in einem Männerurlaub an einem feuchtfröhlichen Abend entstanden. Das G steht für Graf, aber natürlich haben wir die andere Interpretation von Anfang an mit einkalkuliert.“ Gleiches gilt auch für den Schaumwein und den Hartburgunder, die als „Harte Liebe“ angeboten werden: „Bei ‚Harte Liebe‘ geht es um ein Lebensgefühl, das eine Community aus Frankfurt geprägt hat. Die Jungs waren am Wochenende bei uns zu besuch und wir haben uns danach zu dieser Sonderabfüllung entschieden. So entstand die Kooperation ‚Graf von Harte Liebe‘.“ Generell sollten Winzer offen sein, neue Wege zu gehen und keine Angst haben, auch solche ungewöhnlichen Projekte anzufassen, findet Graf. „Das ist nichts obszönes oder anstößiges, wir sprechen damit jüngere Erwachsene an, das sind unsere Kunden von morgen.“
Das Engagement hat sich ausgezahlt: In diesem Jahr belegte die Familie den ersten Platz beim Wettbewerb „Junge Südpfalz“, bei dem die besten 20 Nachwuchswinzer aus dem Kreis Südliche Weinstraße ausgezeichnet werden. Dabei sendet jeder Winzer fünf trockene Weine ein, die blind verkostet und von einer Fachjury einzeln bewertet werden. Die Wertungen werden aufsummiert und daraus die Platzierung errechnet. „Wir haben mit dem Granit Riesling den ersten und direkt danach mit dem Kalkmergel Riesling den zweiten Platz unter 38 Rieslingen belegt“, freut sich Graf. Ein Blick hinter die Kulissen ist jedoch auch während der Weinlese möglich: Die Grafs lassen sich von Besuchern gerne in die Keller schauen und führen ihre Gäste durch die Weinberge. Jedes Jahr ab dem zweiten September-Wochenende ist außerdem der Gutsausschank geöffnet, wo die Gäste das umfangreiche Weinsortiment verkosten und sich auch kulinarisch verwöhnen lassen können.