History on a Plate

History on a Plate Historische Rezepte & Food History Nuggets
Experimentierfreunde 🤝
Paulina & Max

04/06/2026

Das älteste Rezept der Welt
Der Elamische Eintopf ist ein faszinierendes Beispiel für den grenzüberschreitenden kulinarischen Austausch in Mesopotamien. Es handelt sich um ein Rezept aus dem Land Elam, das Eingang in die babylonischen Kochtraditionen fand und dort unter seinem Originalnamen Zukanda bekannt war.
Übrigens ist man sich nicht ganz sicher, ob nun Fleisch in die elamische Blutsuppe gehört oder nicht. Einerseits sagt der Text eindeutig “Fleisch wird nicht verwendet”, andererseits erscheint er in einer Liste die eindeutig sagt “Gerichte mit Fleisch”. Vielleicht hat man es mal so und mal so gegessen.
Das Rezept
Elamische Brühe. Fleisch wird nicht verwendet. Du bereitest Wasser vor. Du gibst Fett hinzu. Dill, Kurrat*, Koriander ,Lauch und Knoblauch, gebunden mit Blut, eine entsprechende Menge saurer Milch und (weiteren) Knoblauch. Der (ursprüngliche) Name (dieses Gerichts) ist Zukanda.
*Vermütlich ähnlich einer Frühlingszwiebel

Zutaten
* 750 ml Wasser
* 100 ml frisches Blut
* 1 EL tierisches Fett, idealerweise Talg oder Schaffett
* 1 Stange Lauch
* 1 Zwiebeln / Frühlingszwiebeln
* 2 Knoblauchzehe
* Frischer Koriander
* Frischer Dill
* 60 bis 80 ml saure Milch (z. B. Kefir)

Zubereitung
Lauch, Zwiebeln in Ringe Stücke schneiden. Dill,Koriander und Knoblauch sehr fein schneiden.
Das Wasser langsam erhitzen und das Fett darin schmelzen.
Lauch, Zwiebeln Dill, Koriander und Knoblauch in die Flüssigkeit geben. Alles einige Minuten nur leicht ziehen lassen. Die Brühe sollte nicht stark kochen.
Das Blut separat glatt verrühren, in die heiße Suppe rühren. Zum Schluss die saure Milch einrühren.

02/06/2026

Warum Schinken + Ananas = Hawaii?

Wir hatten die Ketwurst der DDR, kommen wir also zu den kulinarischen Highlights Westdeutschlands.
Der Toast Hawaii war kein Straßenimbiss, das ist klar. Vielmehr ist er eine Ikone der privaten Nachkriegsküchen.
Es ist der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod (Carl Clemens Hahn) der den Toast Hawaii in den 1950er Jahren populär macht. Er inszeniert Kochen in seiner Show als kleine Reise raus aus dem grauen Nachkriegsalltag, rein in das exotische Lebensgefühl.
Für den klassischen Toast Hawaii braucht man
* Butter
* Toastbrot
* Kochschinken
* Ananas aus der Dose
* Schmelz-Scheiben-Käse
* Cocktailkirsche
Butter auf den Toast schmieren, mit Schinken, Ananas und Käse in dieser Reihenfolg belegen. Bei 200 Grad Ober-Unterhitze, vorgeheizt, 10-15 Minuten backen. Mit Kirsche ganieren. Servierfertig!

30/05/2026

Im England des 12. Jahrhunderts erhielt ein Mann Landbesitz für eine ungewöhnliche Dienstpflicht. Roland der Furzer, sollte jedes Jahr zu Weihnachten vor dem König einen Sprung, einen Pfiff und einen Furz darbieten.

Überliefert ist das im Liber Feodorum, dem sogenannten Book of Fees, einem englischen Verwaltungs- und Lehnsregister, das ältere Einträge dokumentiert. Roland stand vermutlich im Dienst von König Heinrich II. und hielt dafür Hemingstone Manor in Suffolk sowie weiteres Land als sogenannte Serjeanty, also ein Lehen gegen eine persönliche Dienstleistung.

Über Roland selbst ist kaum etwas bekannt. Auch was er vor seinem jährlichen Auftritt gegessen haben könnte, wissen wir nicht. Zeitgenössische medizinische und diätetische Quellen erwähnen jedoch verschiedene Lebensmittel, die als „windig“ galten, darunter Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Knoblauch, Rüben sowie junger Wein und Bier.

Das Gericht orientiert sich lose an mittelalterlich englischen Rezepten aus The Forme of Cury um 1390 und kombiniert einige jener Zutaten, die bereits damals mit „Wind“ und Verdauung in Verbindung gebracht wurden.

Zutaten zu Benes Yfryed & Perrey of Pesoun

- Ackerbohnen oder Favabohnen
- Zwiebeln
- Knoblauch
- Öl oder tierisches Fett
- Salz
- Erbsen
- Zucker
- Safran

Zubereitung Benes Yfryed
Die Bohnen weich kochen und gut abtropfen lassen. Überschüssiges Wasser ausdrücken oder abgießen. Zwiebeln fein hacken und weich kochen oder anbraten. Knoblauch zerstoßen und hinzufügen. Die Bohnen gemeinsam mit Zwiebeln und Knoblauch in Öl oder Fett anbraten und mit etwas Salz abschmecken.

Zubereitung Perrey of Pesoun
Die Erbsen weich kochen, bis sie zerfallen. Anschließend durch ein Sieb oder Tuch passieren. Zwiebeln fein hacken und in Öl weich dünsten. Das Erbsenmus hinzufügen und gemeinsam weiterkochen. Mit Zucker, Salz und etwas Safran würzen.

28/05/2026

Römische Nuggets: Isicia

Vor rund 2000 Jahren gehörten sogenannte Isicia zur römischen Küche. Der Begriff bezeichnete Speisen aus gehackten Zutaten, darunter Fleischklößchen oder Kroketten. Dieses Rezept für Krustentier-Isicia geht auf Apicius und sein Werk De re coquinaria zurück. Gewürzt mit Garum oder Fischsoße eröffnet es einen Einblick in römische Geschmackswelten.
Neben 60 weiterer Rezepte auch bei uns im History on a Plate Buch zu finden.

26/05/2026

Das Mittelalter war bunt 🏳️‍🌈

Das Bild vom grauen, eintönigen Mittelalter hält sich bis heute erstaunlich hartnäckig. Tatsächlich zeigen Kochbücher des 15. Jahrhunderts eine Küche, die überraschend farbenfroh war. So wie dieses Rezept für bunte Lappeküchlein aus dem Kochbuch Küchenmeisterei von ca. 1485.

Das original Rezept, sinngemäß übersetzt:
Ebenso eine andere Art feiner Lappenküchlein, wie zuvor mit Petersilie und Wein beschrieben. Mache einen festen Teig aus Eiern und einem Drittel Milch. Rolle ihn auf einem Brett mit einem Wellholz auf weißem Mehl aus — weder zu dünn noch zu dick — länglich und schmal. Schneide daraus Lappen mit schön gezackten Rändern oder wie Eichenblätter oder andere Blätter, in welcher Form du willst. Willst du sie braun, backe sie gut aus. Oder gelb: färbe den Teig mit Safran in Wein oder Milch. Grün mit Petersiliensaft oder was grün färbt. Blau mit Kornblumen. Diese Küchlein sind gut zu allen Saucen und zu Gebratenem.

Ich habe auf 100g Mehl 1 Ei genutzt. Als Flüssigkeit dann die mit Safran eingefärbte Milch bzw. den Petersiliensaft oder Rotwein. (ca. 50-100 ml). Dann die ausgestochenen Formen in heißem Butterschmalz ausgebacken.

23/05/2026

Die spartanische Blutsuppe - Mélas zōmós
Mélas zōmós („schwarze Brühe“) war eine Suppe der antiken Spartaner, die in griechischen und römischen Quellen mehrfach erwähnt wird. Sie galt als typisches Gemeinschaftsgericht Spartas und bestand vermutlich aus Schweinefleisch, Blut, Essig und Salz. Ein eindeutig überliefertes Rezept existiert jedoch nicht.
Autoren wie Plutarch und Cicero beschrieben die Brühe später oft mit einer Mischung aus Faszination und Spott. Besonders in der römischen Wahrnehmung wurde die einfache Speise zum Sinnbild der spartanischen Lebensweise: schlicht, diszipliniert und entbehrungsreich.
Zutaten:
* 600gr. Schweinefleisch
* 1l Wasser
* 300 ml Schweineblut
* 100 ml Essig
* 1 Zwiebel
* 1 Lorbeerblatt
* Salz
Zubereitung
1. Fleisch und Zwiebel in Ölivenöl anbraten
2. Mit Wasser aufgießen und kochen, bis eine kräftige Brühe entsteht.
3. Lorbeerblatt hinzugeben
4. Schweineblut mit Essig verrühren
5. Blut-Essig-Mischung langsam in die heiße Brühe einrühren.
6. Mit Salz abschmecken.

21/05/2026

Trinkt man Maiwein mit Waldmeister wirklich schon seit über 1000 Jahren? Geht es nach Wikipedia und vielen modernen Rezeptblogs, dann ja. Überall liest man, dass der Ursprung des Maiweins auf einen Benediktinermönch zurückgeht.
So ganz stimmt das allerdings nicht. Zwar hielt Wandalbert von Prüm in seinem Martyrologium im 9. Jahrhundert fest, dass es im Mai nützlich sei, Wein mit Kräutern zu aromatisieren bzw. zu mildern — welche Kräuter genau gemeint sind, schreibt er allerdings nicht.
Der heute oft behauptete Waldmeister-Maiwein lässt sich daraus also nicht direkt ableiten. Wahrscheinlich wurde später rückwirkend Waldmeister in diese Stelle hineingelesen, weil Maiwein im 19. Jahrhundert zunehmend mit Waldmeister verbunden war.
Ganz falsch ist die Geschichte aber natürlich auch nicht: Die Tradition, Wein im Mai mit Kräutern zu aromatisieren, scheint tatsächlich sehr alt zu sein.

Rezept
* 1 Flasche trockener Weißwein
* 1 Bund frischer Waldmeister (ca. 10–15 Stängel)
* 150–250 g Erdbeeren
* 1 Bio-Zitrone
* 2–3 EL Zucker
* optional etwas Zitronenmelisse

1. Waldmeister zum Strauß binden und 12 Stunden trocknen lassen
2. Erdbeeren waschen, halbieren, Zitrone wachen und in Scheiben schneiden
3. Weißwein in ein Gefäß geben, Zucker darin auflösen
4. Waldmeister kopfüber in den Wein hängen. Schnittstellen nicht in die Flüssigkeit tauchen.
5. 20-30 Minuten ziehen lassen.
6. Erdbeeren und Zitronenscheiben und Eiswürfel hineingeben.

19/05/2026

Eine Kette bitte!

Die Kettwurst entstand Ende der 1970er Jahre in Ost-Berlin als Antwort auf die wachsende Nachfrage nach schneller und unkomplizierter Versorgung im öffentlichen Raum. Entwickelt wurde sie vom Rationalisierungs- und Forschungszentrum „Gaststätten, Hotels und Gemeinschaftsverpflegung“, das neue Formen der sogenannten „kommerziellen Schnellverpflegung“ für die DDR entwerfen sollte. Charakteristisch war das innen ausgehöhlte und getoastete Brötchen, das die Wurst und Soße aufnehmen konnte, ohne aufzuweichen.
Heute ist die Kettwurst ostdeutscher Kult und man kriegt sie noch an der Schönhauser Allee Ecke Dänenstraße in Berlin Prenzlauer Berg.
Der Imbiss wurde 1981 als HO-Verkaufsstelle eröffnet. Zuvor befand sich hier ein kleiner Buchladen, dessen bauliche Strukturen bis heute teilweise erhalten geblieben sind. Historische Fotografien dokumentieren die Entwicklung des Ortes vom Buchgeschäft der 1960er Jahre über den DDR-Imbiss bis hin zu Alain’s Snack nach der Wende.
Seit 1991 wird der Standort von Alain André betrieben, der den Imbiss nach dem Mauerfall übernahm und die Tradition der Kettwurst bis heute fortführt.

16/05/2026

Japanisches Sprichwort: Bezahle lieber den Miso-Händler als den Arzt

Misosuppe besteht im Wesentlichen aus zwei Dingen: Miso und Dashi. Miso ist eine fermentierte Paste aus Sojabohnen, Salz und Kōji und Teil einer viel älteren ostasiatischen Fermentationstradition, die China, Korea und Japan über Jahrhunderte miteinander verband. Dashi ist eine Brühe, die Geschmack aus getrockneten Zutaten wie Seetang, Fisch oder Pilzen ins Wasser zieht.
Ab dem 12. Jahrhundert wurde Miso zunehmend in Suppen verwendet; in der Edo-Zeit galt Misosuppe schließlich als unverzichtbarer Teil des Alltags. Das Ernährungswerk Honchō Shokkan beschrieb Miso bereits 1697 als wertvolles und gesundheitsförderndes Lebensmittel.
Zutaten:
Basis:
* 500 ml Wasser
* 1 Stück Kombu (getrockneter Seetang, ca. 5–10 cm)
* 1 Handvoll Bonitoflocken (Katsuobushi) (optional, aber traditionell)
Einlage:
* 2–3 EL Miso-Paste (weiß oder rot)
* 100 g Seidentofu (in Würfel geschnitten)
* 1 TL getrocknete Wakame-Algen
* 1 Frühlingszwiebel (in feine Ringe)
Zubereitung
Kombu 10 Minuten in kaltem Wasser einweichen und anschließend langsam erhitzen. Kurz vor dem Kochen den Kombu entfernen, Bonitoflocken hinzufügen und 1–2 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen.
Wakame kurz in Wasser einweichen und den Tofu würfeln. Beides in die heiße, aber nicht kochende Brühe geben.
Die Miso-Paste separat mit etwas Brühe glatt rühren und anschließend in die Suppe einarbeiten. Nicht mehr kochen lassen, damit Aroma und Fermentationskulturen erhalten bleiben.
Mit Frühlingszwiebeln servieren.

14/05/2026

Der Sonnenkönig und die gefüllten Artischockenböden

Diese Speiße gehörte zu jener aufwendigen Hofküche, mit der sich der französische Adel des 17. Jahrhunderts repräsentierte. Das hier nachgekochte Rezept stammt aus dem Jahr 1691 von François Massialot, einem der einflussreichsten Köche am Hof von Louis XIV, dem sogenannten Sonnenkönig.
Die Regierungszeit Louis’ XIV steht exemplarisch für den Absolutismus. Versailles wurde dabei nicht nur politisches Zentrum Frankreichs, sondern auch Bühne höfischer Inszenierung. Kulinarik spielte eine wichtige Rolle: Exklusive Zutaten und Speisen außerhalb ihrer natürlichen Saison galten als Ausdruck von Macht und kultureller Überlegenheit.
Um die Versorgung des Hofes sicherzustellen, entstanden in Versailles aufwendige Küchen- und Gemüsegärten, die selbst im Winter frische Zutaten liefern sollten.
Das vollständige historische Rezept sowie weitere Hintergründe zur Küche des Sonnenkönigs finden sich auch in unserem „History on a Plate“-Kochbuch.

PS: Bei Hofe hätte man mich wohl sofort entlarvt, so wie ich die edlen Häppchen mit den Händen esse, wie der Pöbel.

Adresse

Rome

Webseite

https://campsite.bio/historyonaplate

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